Was ist abstrakte Verweisung in der Berufsunfähigkeitsversicherung?

Ist der Verzicht auf abstrakte Verweisung wirklich so wichtig?

Der Verzicht auf abstrakte Verweisung gilt als besonders wichtig für eine gute Berufsunfähigkeitsversicherung. Da sind sich irgendwie alle einig. Aber was bedeutet abstrakte Verweisung überhaupt?

Was ist abstrakte Verweisung?

Durch die abstrakte Verweisung kann der Versicherer im Leistungsfall von mir verlangen, was anderes zu arbeiten. Das ist echt übel. Berufsunfähig bin ich nämlich dann, wenn ich meine Arbeit aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr machen kann. Bin ich ein Fliesenleger, dann geht das schon nicht mehr, wenn mein Rücken beim Bücken weh tut. Im Büro könnte ich dann aber immer noch arbeiten, auch wenn ich das gar nicht mache.

Oft erzählen Vermittler, dass der Versicherer von mir verlangen könnte, als Pförtner zu arbeiten. Das ist aber normalerweise nicht wahr, denn selbstverständlich gibt es Einschränkungen bei der abstrakten Verweisung.

Der Beruf, den ich dann ausüben sollte, muss meinem Lebenstandard und meiner Ausbildung entsprechen.

Was darf der Versicherer überhaupt?

Wenn ich Dachdecker-Meister bin, muss meine neue Arbeit ebenso angesehen sein. Und ich muss auch etwa das gleiche verdienen. Ungefähr 20% weniger Gehalt ist in Ordnung, sagt der Richter. Bei niedrigen Einkommen kann auch schon weniger Einbuße unzumutbar sein.

Verdient der Dachdecker 4.000 Euro, kann der Versicherer nicht auf eine Arbeit mit 2.500 Euro verweisen. Das ist mal sicher.

Das mit dem Ansehen ist schon schwieriger. Aber ein Meister ist schon mal recht gut angesehen.

Ebenso darf der neue Beruf mich weder über- noch unterfordern. War ich Professor, kann mich der Versicherer nicht auf den Pförtner verweisen. Und umgekehrt.

All diese Punkte müssen übrigens auch bei der sogenannten konkreten Verweisung zutreffen. Also dann, wenn ich berufsunfähig bin, aber tatsächlich in einem neuen Job arbeite.

Fazit

Die abstrakte Verweisung ist also nicht so leicht. Trotzdem ist es besser, wenn der Versicherer darauf verzichtet. Das ist auch klar.

Bei neuen Verträgen stellt sich die Frage für gewöhnlich überhaupt nicht, denn es gibt keinen Anbieter, der in seinem Standard-Tarif noch die abstrakte Verweisung hat. Nur in sogenannten basis- oder smart-Varianten kann das mal vorkommen.

Wenn also ein Versicherer damit wirbt, dass er auf die abstrakte Verweisung verzichtet, kann es auch sein, dass der Tarif sonst keine Highlights hat 🙂

Möchten Sie sich persönlich beraten lassen? Dann kontaktieren Sie uns einfach!

Written by Philip Wenzel

Philip Wenzel ist Fachwirt für Versicherungen und Finanzen (IHK) und betreut bei der freche versicherungsmakler GmbH & Co. KG die biometrischen Risiken. Mit über 200 Artikeln, mehreren Dossiers und seinem „Leitfaden für den Vertrieb von Berufsunfähigkeitsversicherungen“ hat er sich in der Branche den Ruf eines gewissenhaften Bedingungslesers, und auch –verstehers, erarbeitet. Als gelernter Historiker ist er immun gegen Langeweile, was wahrscheinlich der Grund ist dafür, dass er all die AVB und Urteile ohne Schaden lesen kann. In seinen Vorträgen referiert er stark aus der Praxis, bricht mit eingefahrenen Denkweisen und hilft, eine Brücke zum Kunden zu bauen. Er lebt mit seiner Frau und seinen beiden Töchtern in Kemnath in der Oberpfalz.

Website: http://freche-versichert.de

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