Basler Beruf + Pflege Lifetime: Die Idee ist gut…

Ein Produkt ein Leben lang. Das würde dem Bedürfnis des Kunden entgegenkommen, sich möglichst wenig mit Versicherungen beschäftigen zu müssen. Aber ganz ausgereift ist das Produkt nicht...

Die Basler  Beruf + Pflege Lifetime ist ein neues Produkt, das lebenslange Absicherung vor den finanziellen Folgen von Berufsunfähigkeit und Pflegebedürftigkeit verspricht.

Im Vermögensaufbau ist ohne Frage der Verlust der Arbeitskraft die größte Bedrohung. Ebenso zweifelsfrei ist, dass Pflegebedürftigkeit meine Lebensersparnis im Alter massiv angreifen kann. Da scheint es nur logisch, beides in einem Produkt zu vereinen.

Wie ist Basler Beruf + Pflege Lifetime aufgebaut?

Die Basler Beruf + Pflege Lifetime besteht aus einer Berufsunfähigkeitsversicherung und einer Pflegeversicherung, die nach Art der Lebensversicherung kalkuliert ist. Für beide Absicherungen ist eine Prämie bis maximal Endalter 85 zu zahlen. Nach Wegfall des BU-Schutzes läuft der Vertrag mit gleichem Beitrag weiter.

Anders als bei dem einzigen derzeit vergleichbaren Angebot der Barmenia, wo die Höhe der Pflegerente ganz von der Höhe der Überschüsse während der Vertragslaufzeit abhängt, ist hier von Beginn an eine garantierte Rente im Pflegefall vereinbart. Die Verwendung der Überschüsse ist festgelegt zur Erhöhung der Rente. Eine Verwendung zur Beitragsreduzierung ist nicht möglich.

Was wird wann geleistet?

Bei Eintritt einer BU bin ich sofort von der Beitragszahlung befreit und die vereinbarte Rente plus Überschüsse wird bis max. Endalter 67 geleistet. Bei Eintritt eines Pflegefalles nach den BU-Bedingungen und innerhalb der BU-Versicherungsdauer wird die BU-Rente sogar lebenslang geleistet. Eine garantierte Leistungsdynamik ist nicht vereinbar. Die Rente erhöht sich aber um den sogenannten Sofort-Bonus und einen Vorsorge-Bonus, sofern man regelmäßige ärztliche Untersuchungen zur Früherkennung von Krankheiten nach § 25 Abs.1 und 3 SGB V nachweist.

Die Basler verfügt über Erfahrung im BU-Bereich und bei der Pflegerente, weshalb man eine vernünftige Kalkulationsgrundlage haben müsste.

Nach Wegfall des BU-Schutzes ist eine Beitragsbefreiung ab Pflegestufe 1 optional vereinbar. Eine Rente wird erst ab Pflegestufe 2 oder bei einer Demenz ab Grad 5 der Reisbergskala geleistet. Eingeschränkte Alltagskompetenz nach Auslegung des MDK ist nicht mitversichert.

Die Höhe der Pflegerente ist in zwei Varianten wählbar. Entweder 50% der BU-Rente in Stufe 2 und 100% in Stufe 3 oder 100% bereits in Stufe 2 und 200% in Stufe 3. Welche der beiden Varianten im Pflegefall ausreichend ist, hängt also von der Höhe der versicherten BU-Rente ab. Generell ist es aber sinnvoll, den gleichen Bedarf wie bei Berufsunfähigkeit schon in Stufe 2 anzusetzen.

Wer prüft die Pflegestufe?

Die Basler erkennt eine Einstufung des MDK an, sofern diese Entscheidung auf Grundlage des SGB XI in der Fassung vom 28.07.2011 festgestellt wurde, prüft aber grundsätzlich selbst. Wenn 2017 die 2. Stufe der geplanten Pflegereform startet und die Pflegestufen reformiert werden, wird die Prüfung allein bei der Basler liegen. Wörtlich ist in den Bedingungen vermerkt: „Wir prüfen selbst, ob ein Pflegefall nach diesen Bedingungen vorliegt. Wenn sich das Sozialgesetzbuch XI ändert, ändert sich nicht die Definition der Pflegebedürftigkeit nach dieser Ziffer.“ (12.4, BAL 8288 07.14)

Für wen eignet sich die Basler Beruf + Pflege Lifetime?

Der Tarif bietet die Möglichkeit, im Vorbeigehen relativ nachhaltig für den Fall der Pflegebedürftigkeit vorzusorgen. Ob eine Pflegeabsicherung nach Art der Lebensversicherung oder nach Art der Krankenversicherung finanziell sinnvoller oder nachhaltiger ist, muss an anderer Stelle ausführlich diskutiert werden.

Grundsätzlich muss der Kunde bis ins 85. Lebensjahr über ausreichende Mittel verfügen, um die Beiträge auch bis zum Ende leisten zu können. Auch bei Vertragsbeginn muss er in der Lage sein, die relativ hohen Beiträge zu finanzieren. Darüber hinaus müsste die Lücke zwischen den tatsächlichen Kosten in Pflegestufe 1 und der staatlichen Leistung aus eigener Tasche zu finanzieren sein. All das spricht für einen relativ vermögenden Kunden.

Vergleicht man die Beiträge für einen 34-jährigen kaufmännischen Angestellten für das Produkt der Basler mit denen für eine selbständige BU und eine Pflegerente anderer Anbieter, wobei die Pflegerente mit Endalter 85 ausfinanziert ist und auch schon in Pflegestufe 1 leistet, zahle ich zwar bis 67 mehr, aber von da ab bis 85 deutlich weniger. Summiert man die Beiträge über die gesamte Laufzeit, ergibt sich in diesem Beispiel insgesamt eine Ersparnis von weniger als 1%. Es ist anzunehmen, dass sich die oben bestimmte Kundengruppe hier für den höheren Leistungsumfang entscheidet.

Zwei Fliegen mit einer Klappe

Die Basler Beruf + Pflege Lifetime hilft dem Vermittler, der den Kunden nicht mit dem „schwierigen“ Thema „Pflegebedürftigkeit“ belasten möchte, Schutz gegen die finanziellen Folgen einer Berufsunfähigkeit und der Pflegebedürftigkeit gleichzeitig abzusichern. Der Kunde ist so zumindest für den „schlimmsten Fall“ abgesichert, was immer besser ist, als nicht abgesichert zu sein.

Empfehlenswert ist es allerdings, sich als Vermittler –und auch als Kunde- mit dem Thema der Pflegeabsicherung intensiv auseinanderzusetzen, damit man neben dem passenden Schutz der Arbeitskraft auch das individuell passende Produkt zur finanziellen Absicherung der Pflegebedürftigkeit auswählen kann. Das ist zwar aufwendiger, aber die Möglichkeiten sind deutlich vielfältiger, wenn man beide Risiken mit separaten Produkten löst.

Dennoch hat die Basler Beruf + Pflege Lifetime seine Daseinsberechtigung und kann in einzelnen Fällen eine sinnvolle Lösung des Einkommensschutzes und der Absicherung der Lebensersparnis in einem sein. Wie immer kommt es auf die Bedürfnisse und Wünsche des Kunden an.

Written by Philip Wenzel

Philip Wenzel ist Fachwirt für Versicherungen und Finanzen (IHK) und betreut bei der freche versicherungsmakler GmbH & Co. KG die biometrischen Risiken. Mit über 150 Artikeln, mehreren Dossiers und seinem „Leitfaden für den Vertrieb von Berufsunfähigkeitsversicherungen“ hat er sich in der Branche den Ruf eines gewissenhaften Bedingungslesers, und auch –verstehers, erarbeitet. Als gelernter Historiker ist er immun gegen Langeweile, was wahrscheinlich der Grund ist dafür, dass er all die AVB und Urteile ohne Schaden lesen kann. In seinen Vorträgen referiert er stark aus der Praxis, bricht mit eingefahrenen Denkweisen und hilft, eine Brücke zum Kunden zu bauen. Er lebt mit seiner Frau und seinen beiden Töchtern in Kemnath in der Oberpfalz.

Website: http://freche-versichert.de

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