Die Berufsunfähigkeitsversicherung der Debeka Stand 01.01.2018

Vorweg möchte ich sagen, dass es für mich immer schwierig ist, Tarife der Ausschließlichkeit zu bewerten. Ich versuche grundsätzlich immer neutral zu sein und bin auch eher wohlwollend als mir Parteilichkeit unterstellen zu lassen. Dem nachfolgenden Text scheint diese Neutralität abhanden gekommen zu sein. Aber ich schwöre, ich hätte was Positives geschrieben, hätte ich etwas Positives gefunden.

Ich weiß nicht, ob das so ein Ding der Ausschließlichkeit ist, aber es fällt schon auf, dass die Bedingungen der DEVK, die der Aachen Münchener und jetzt auch die AVB der Berufsunfähigkeitsversicherung der Debeka sich als PDF nicht markieren lassen. Das nervt ein bisschen, weil ich dann einen Baum abholzen muss, um die auszudrucken. Und so genervt sitz ich dann mit Marker und Papier da, als wäre es 1994 oder so.

Besonderheiten der Berufsunfähigkeitsversicherung der Debeka

Aber gut. Ich beruhige mich mal. Das erste, was an der Berufsunfähigkeitsversicherung der Debeka auffällt ist eine 25/75-Regelung. Und zwar als Standard. Das bedeutet positiv formuliert: Ich erhalte schon ab 25% einen Teil der Leistung! Hurra!

Negativ formuliert bedeutet das: Ich muss 75% erreichen, um 100% der Leistung zu erhalten. Buh!

Es gibt einige Statistiken zu diesem Thema, die die Vor- und Nachteile zu beleuchten versuchen. Manche besagen, dass 75% aller BU-Fälle auch tatsächlich zu 75% BU sind. Wenn ich das kritisch betrachte, frage ich mich, welcher Gutachter da draußen ernsthaft mehr prüft als ob ein Versicherter zu weniger oder mehr als 50% BU ist. Denn für gewöhnlich gibt es eben in dem einen Fall 100% der Leistung und im anderen 0%. Weitere Differenzierung wäre überflüssig.

Weil ich die Quellen dazu aber sowieso nicht prüfen kann, versuch ich mal, das Ganze logisch zu bewerten.

Ich persönlich denke, es ist schwierig genug, dem Versicherer zu beweisen, ob 50% oder nicht vorliegen. Wenn es nun aber für den Versicherer wirtschaftlich relevant ist, ob 60% oder 65% vorliegen, dann könnte ich mir vorstellen, dass die Leistungsprüfung um ein Vielfaches nerviger ist. Da dürfte es das eine oder ander Gutachten zusätzlich geben.

Ich würde da immer einfach Stephan Kaiser einschalten…

Zum Glück gibt es bei der Berufsunfähigkeitsversicherung der Debeka auch die Variante 50, die dann eben so leistet, wie wir es von allen anderen Anbietern auch kennen. Ihr hättet also die 10 Zeilen vorher überhaupt nicht lesen müssen. Zu spät.

Der Leistungsauslöser der Berufsunfähigkeitsversicherung der Debeka

An der Definition der Berufsunfähigkeit an sich gibt es eigentlich nie was zu meckern. Hier aber dann schon. Zumindest im Tarif  BLV19 Stand 01.01.2018.

In der vorliegenden Berufsunfähigkeitsversicherung der Debeka liegt der Prognosezeitraum bei 3 Jahren. Marktüblich sind 6 Monate. Die Fiktion liegt wiederum bei 6 Monaten, was ok ist. Für gewöhnlich geht es im Leistungsfall nämlich immer um die Fiktion bzw. den fingierten Prognosezeitraum. Denn normalerweise erhalte ich keine Prognose von 6 Monaten. Ich muss warten, bis ich tatsächlich 6 Monate BU bin und dann eine dauerhafte BU fingiert wird.

Der Tarif BLV59 hat einen normalen und einen fingierten Prognosezeitraum von 6 Monaten.

Zumutbarkeit bei Umorganisation und Nachprüfung

Selbständige UND Angestellte mit Weisungs- und Direktionsbefugnis können auf eine zumutbare Umorganisation verwiesen werden. Die Zumutbarkeit ist nicht gut definiert. Und was ein weisungsbefugter Angestellter ist, auch nicht. Das ist ziemlich schlecht. Und das ist in beiden Tarifen schlecht.

Die Nachprüfung ist konsequenterweise ähnlich schlecht wie die Umorganisation definiert. Es wird auf die geltende Rechtsprechung der Oberlandesgerichte verwiesen was die Einkommenseinbußen betrifft. Der Tarif BLV59 setzt aber eine harte Grenze für die zumutbare Einkommenseinbuße von 30%. Der Markt ist hier bei 20%. Ich dürfte also 79% meines alten Gehalts verdienen und würde weiterhin Leistung erhalten, sofern ich in meinem alten Beruf noch BU bin. Bei der Debeka dürfte ich maximal 69% des alten Gehalts verdienen.

Ausscheiden aus dem Berufsleben

Wer für mehr als drei Jahre aus dem Berufsleben ausscheidet, kann im Leistungsfall abstrakt verwiesen werden. Grundsätzlich ist es schon nicht leicht, aus dem Berufsleben auszuscheiden. Dazu müsste ich entweder eine Rente wegen Erwerbsminderung oder Alters beziehen oder eben freiwillig nicht mehr arbeiten. Wer arbeitssuchend ist, ist nicht aus dem Berufsleben ausgeschieden. Wenn das der Versicherte nicht weiß, könnte der Versicherer aber trotzdem einfach mal versuchen. Das gilt wieder für beide Tarife.  Andere Versicherer verzichten auf diese Befristung vollständig.

Was vor allem in Kombination mit der 25/75-Regelung problematisch ist, ist die Meldepflicht bei Minderung des BU-Grades. Mal im Ernst: Woher soll der Kunde wissen, ob er zu 45% oder 40% BU ist? Gilt wieder für beide Tarife.

Beide Tarife leisten nicht bei Krankschreibung. Eine AU-Klausel gibt es also nicht.

Die Dienstunfähigkeitsklausel

Die Dienstunfähigkeitsklausel muss über den Tarif BLV20 gebucht werden. Hier gibt es für die BU-Leistung nur die Regelung 25/75… Das halte ich für sehr, sehr problematisch, weil die 25%ige BU schon lange vor einer DU vorliegen kann. Ich muss also so oder so mal auf BU prüfen. Gibt es vielleicht noch einen Tarif BLV21 oder sowas?

Ein geschätzter Debeka-Vertreter hat mich wissen lassen, dass die Regelung tatsächlich dazu gedacht ist, um Einkommenseinbußen auch dann abzufangen, wenn der Beamte noch begrenzt dienstfähig ist. Das ist in sich schlüssig und sinnvoll. Im Leistungsfall wird es aber sicher nicht unbedingt leicht. Und die Leistung bei begrenzter DU gäbe es ja auch… Aber vertrieblich durchaus ok.

Die BU-Definition entspricht der des Tarifes BLV19.

Grundsätzlich ist die DU-Klausel nicht schlecht. Sie ist echt und vollständig. Es gibt, wie oben erwähnt, sogar ne Leistung bei begrenzter Dienstfähigkeit.

Aber der Beamte auf Widerruf und Probe muss nach 6 Jahren in die BU-Prüfung. Und da muss ich dann eine 75%ige BU nachweisen, um volle Leistung zu erhalten. Das ist dann schon doof. Da gibt es bessere Lösungen für Beamte.

Zusammenfassung der Berufsunfähigkeitsversicherung der Debeka

Unter Strich ist der Tarif der Debeka ein Feuerwerk der Mittelmäßigkeit. Ich muss mal überlegen, ob es nicht Berufe gäbe, wo eine 25/75-Regelung sinnvoller wäre. Aber grundsätzlich gibt es eigentlich immer eine bessere Alternative am Markt. Doch wer weiß… Wenn die Annahme deutlich besser ist, dann kann ich dem Kunden ja die Nachteile erklären und dann könnte das mal sinnvoll sein… Aber bei gleicher Annahme gibt es in meinen Augen keine Argumente für die Debeka.

Wer mehr zur Berufsunfähigkeit wissen will, darf mich gerne kontaktieren.

 

 

Written by Philip Wenzel

Philip Wenzel ist Fachwirt für Versicherungen und Finanzen (IHK) und betreut bei der freche versicherungsmakler GmbH & Co. KG die biometrischen Risiken. Mit über 200 Artikeln, mehreren Dossiers und seinem „Leitfaden für den Vertrieb von Berufsunfähigkeitsversicherungen“ hat er sich in der Branche den Ruf eines gewissenhaften Bedingungslesers, und auch –verstehers, erarbeitet. Als gelernter Historiker ist er immun gegen Langeweile, was wahrscheinlich der Grund ist dafür, dass er all die AVB und Urteile ohne Schaden lesen kann. In seinen Vorträgen referiert er stark aus der Praxis, bricht mit eingefahrenen Denkweisen und hilft, eine Brücke zum Kunden zu bauen. Er lebt mit seiner Frau und seinen beiden Töchtern in Kemnath in der Oberpfalz.

Website: https://www.freche-versichert.de

Recent Comments

  • Sebastian Meyer

    26. Oktober 2018 at 5:36 AM

    Zum einen muss ich sagen, Herr Wenzel, ist Ihr Artikel nicht gut geschrieben. Zum anderen haben Sie in der Sache das ein oder andere mal recht. Die Bedingungen der Debeka sind nicht in allen Tarifen die besten. Allerdings leistet die Debeka sehr unkompliziert, fair und schnell, es gibt wenig bis keine Streiterei (anders als Sie es hier suggerieren) und das kann man leider sonst nur von wenigen Anbietern behaupten. Streitigkeiten und Prozesse sind bei vielen Anbietern vorprogrammiert, Bedingungen hin, Bedingungen her. Manchen Berufsgruppen würde ich definitiv keine Debeka BU anbieten, selbst wenn ich es könnte.. Für alle anderen ist die Debeka, wie ich Neidlos eingestehen muss, eine solide und starke Versicherung. Das wir Sie nicht anbieten können empfinde ich aber nicht als Nachteil, wenn man sucht kann man sicher einen Debeka Mitarbeiter finden mit dem man in der ein oder anderen Sache mal kooperieren kann.

    • Philip Wenzel

      26. Oktober 2018 at 5:58 AM

      Grüß Sie Herr Meyer,
      das Schreiben mit Google im Rücken fällt mir nach wie vor schwer. Da ich nicht genau weiß, was Sie kritisieren, kann ich mich auch nicht erklären. Aber sei es drum…
      Wie ein Versicherer leistet ist leider kein valides Merkmal für Qualität. Eine BUV läuft für gewöhnlich 20-50 Jahre. Da kann sich an dem Leistungswillen der Gesellschaften aus vielen Gründen viel ändern.
      Die AVB bilden die Grundlage für den Spielraum, der dem Versicherer später bleibt. Und die AVB der Debeka sind maximal im Mittelfeld des Marktes anzusiedeln.
      Außer bei einer deutlich besseren Annahme fiele mir kein Grund ein, diese Tarife zu vermitteln…

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