Der ARAG Junior-Tarif – Eine Krankenversicherung für alle Kinder unter einem Dach

Die ARAG geht neue Wege bei der Preisgestaltung und bringt mit dem Junior-Tarif einen Krankentarif, in dem alle Kinder eines Haushalts mit einem festen Beitrag versichert sind. Allerdings gelten die Summenbegrenzungen auch für alle Kinder gemeinsam. Es gibt eine Basis-Variante für 13,34€ mtl. und eine Komfort-Variante für 38,98€.

Die Grundidee, alle Kinder einer Familie über eine Versicherung einzudecken, ist generell begrüßenswert. Kinderreiche Haushalte müssen mit dieser Lösung nicht aus finanziellen Gründen auf ergänzenden Schutz ihrer Gesundheit verzichten, da mit einem Beitrag alle Kinder versichert sind. Vollkommen logisch, dass die ARAG als größter deutscher Versicherer in Familienbesitz sich diesem Thema widmet und mit dem ARAG Junior-Tarif einen Gesundheitsschutz für alle eigenen Kinder und die des gleichen Haushalts, in einer Basis – und einer Komfort-Variante, auf den Markt gebracht hat.

Junior Basis leistet für Fissurenversiegelung, Vorsorge und Früherkennung, Sehhilfen, Rooming-In, Kinderkrankentagegeld und geburtsnahe Leistungen. Die Komfort-Variante ergänzt den Schutz um Heilpraktiker-Leistungen, Kunststofffüllungen und Kieferorthopädie.

Dieser umfassende Versicherungsumfang ist aber im Einzelnen stark begrenzt.

Leistung im ARAG Junior-Tarif

Es gelten die allgemeinen Wartezeiten von 3 Monaten, für Kieferorthopädie 8 Monate. Die folgenden Summenbegrenzungen gelten für alle Kinder gemeinsam.

Die Leistungsübersicht der ARAG ist ehrlich und transparent, wenn man die Tabelle ausführlich liest.

Betrachten wir hier zunächst die Zusatz-Leistungen des Junior Komfort:

Bei der Heilpraktiker-Leistung steht auf der Leistungsübersicht des ARAG Junior-Tarifs ehrlicherweise „für ausgewählte Verfahren“. Diese Verfahren begrenzen sich auf Homöopathie, Pflanzenheilkunde, Akupunktur bei Schmerzen, Eigenblutinjektionen und Osteopathie. Andere Leistungen werden nicht erstattet. Erstattet werden 80%, max. 500€ alle 2 Jahre.

Kieferorthopädie wird zu 80% erstattet, wenn die GKV auch leistet. Somit ist der Leistungsanspruch auf KIG3-5 beschränkt. Hier ist zu beachten, dass die kieferorthopädischen Leistungen auf 1000€ während der gesamten Vertragslaufzeit gedeckelt sind. Zur Erinnerung: Die Leistungsbeschränkungen gelten pro Vertrag, unabhängig von der Anzahl der versicherten Personen. Es drängt sich also die Frage auf, welchem seiner Kinder man die Keramik-Brackets gönnt und wer das Kassenmodell bekommt.

Kunststofffüllungen sind zu 80% bis zu 500€ innerhalb von 24 Monaten versichert.

Folgende Leistungen beziehen sich auf beide Varianten:

In der Basis- und Komfort-Variante leistet der ARAG Junior-Tarif bei der Fissurenversiegelung die Leistung an den vorderen Zähnen, die nicht über die GKV abgedeckt ist, zu 80%; max. 100€ alle 2 Jahre.

Vorsorge und Früherkennungen beinhalten die U6a, U9a, U9b, J1a, Schielvorsorge und Sprachentwicklungstest und sind auf 100€ innerhalb von 24 Monaten begrenzt.

Sehhilfen erstattet der ARAG Junior-Tarif zu 80%, 200€ in 24 Monaten bzw. 12 Monaten in der Komfort-Variante.

Rooming-In ist im ARAG Junior-Tarif in beiden Varianten versichert, sofern das Kind zwischen 6 und 12 Jahren alt ist. Erstattet werden 100% ohne Summenbegrenzung. Allerdings gibt hier das Leben die Beschränkung vor. Der Tarif ist attraktiv für Familien mit mehreren Kindern. Hier ist es nur schwer über einen längeren Zeitraum möglich, dass ein Elternteil dauerhaft mit dem kranken Kind im Krankenhaus bleibt und Haushalt und die restlichen Kinder daheim vernachlässigt.

Auch das Kinderkrankentagegeld in Höhe von 15€ ist an die Leistung der GKV geknüpft. Somit ist eine Begrenzung auf 10 bis max. 50 Tage gesetzlich vorgegeben, je nach Anzahl der Kinder, der Familiensituation und/oder dem Arbeitsstand der Eltern.

Geburtsnahe Leistungen sind ausschließlich „Pekip“ und „Geburtsvorbereitung Männer“. Die meisten Krankenkassen erstatten mittlerweile auch Geburtsvorbereitungskurse für Männer, weshalb nur „Pekip“ eine echte Leistung ist. Eine Summenbegrenzung gibt es nicht, erstattet werden 80%.

Außerdem ist im ARAG Junior-Tarif eine Umstellungsoption in den Z90 Tarif der ARAG enthalten. Der Vorteil liegt hier beim Wegfall der Wartezeiten und der Gesundheitsprüfung. Allerdings sind bedingungsgemäß alle zum Optionszeitpunkt angeratenen und begonnenen Behandlungen ausgeschlossen, was den Vorteil der wegfallenden Gesundheitsprüfung relativiert.

Der versicherte Personenkreis

Hier hat die ARAG eindeutig die Zeichen der Zeit verstanden. Versichert sind alle leiblichen und adoptierten Kinder (unabhängig vom Wohnort) sowie alle Kinder, die im Haushalt des Versicherungsnehmers wohnen, was den Tarif für kinderreiche Patchwork-Familien interessant macht. Versicherbar sind alle Kinder, die Anspruch auf GKV-Leistungen haben, bis zum 31.12. des Jahres, in dem sie 20. Geburtstag feiern.

Neugeborene Kinder sind nicht automatisch mitversichert, können jedoch ab Vollendung der Geburt ohne Wartezeiten und ohne Mehrbeitrag mitversichert werden.

Eine Gesundheitsprüfung entfällt, bestehende Vorerkrankungen sind ausgeschlossen.

Für wen ist der Tarif sinnvoll?

Eine Versicherung soll den Kunden vor einer möglichen finanziellen Belastung schützen, die so groß ist, dass sie seine Existenz in Gefahr bringen könnte. Dafür zahlt der Versicherungsnehmer Beiträge, die im Verhältnis zur Höhe der möglichen finanziellen Belastung und dessen Wahrscheinlichkeit stehen.

Legt man diese Definition zugrunde, ist der Tarif für niemanden sinnvoll, da er kein großes Kostenrisiko abdeckt. Selbst wenn man den Tarif bis zum äußersten ausreizt, inkl. 50 Krankentage wegen Pflege von min. drei verschiedenen Kindern und alleinerziehendem Elternteil, erstattet der Tarif innerhalb von 24 Monaten max. 2.900€ plus einmalig 1000€ für Kieferorthopädie. Dann müssen aber auch die Kinder 50 Tage krank sein und Kunststofffüllung im Wert von 500€ verteilt worden sein. Das lässt sich für eine durchschnittliche Familie nur schwer alle 2 Jahre ausreizen.

Geburtsnahe Leistungen und Rooming-In sind nicht eingerechnet, weil die Krankenhäuser generell kein Problem damit haben, der Mutter ein Bett mit ins Zimmer zu stellen, sofern das möglich ist. So spart sich das Krankenhaus ja auch eine Pflegekraft. Diese Posten verursachen aber auch so keine existenzbedrohenden Kosten.

Demgegenüber stehen in der Komfort-Variante des Junior Tarifes der ARAG in 24 Monaten Beiträge in Höhe von 935,52€.

Selbstverständlich ist die Herangehensweise grundlegend falsch. Eine Versicherung ist keine Investition, die sich „lohnt“. Sie sollte, wie oben schon geschrieben, eine mögliche Bedrohung absichern.

Aber durch diese Betrachtung lässt sich die Zielgruppe, für die dieser Tarif durchaus sinnvoll sein kann, erkennen.

Ideal für Patchwork-Familien

Auf den ersten Blick ist man versucht, wegen der fehlenden Gesundheitsprüfung, Kinder zu versichern, die aufgrund von Vorerkrankungen keinen Zugang zu Versicherungen mit Heilpraktiker-Leistungen haben. Aber die Summenbegrenzung liegt hier knapp bei der Hälfte der gezahlten Prämien.

Interessant ist der Tarif in erster Linie für große Familien oder häusliche Gemeinschaften mit vielen Kindern, von denen jedes innerhalb der 24 Monate mal auf die eine oder andere Leistung zugreift. Es fände sozusagen ein Ausgleich über das Kleinkollektiv „Familie“ statt und der Tarif böte dann eine Kostenersparnis.

Wer darüber hinaus stationär, ambulant oder beim Zahnarzt auf Leistungsfähigkeit wert legt, kann den Tarif mit anderen Produkten kombinieren. Nur eine Kombination von mehreren Junior Tarifen innerhalb einer Familie bzw. Haushalts ist ausgeschlossen.

Hier bietet die ARAG selbst verschiedene Möglichkeiten an.

Fazit

Der Junior Tarif der ARAG ist vom Versicherer stabil kalkuliert. Zwar werden Leistungen für Heilpraktiker, Sehhilfen und für Zahnvorsorge (Fissuren-Versiegelung) gerne ausgereizt, aber durch weitere einkalkulierte Leistungen und die Summenbegrenzungen, kann das Risiko ausgeglichen bzw. aufgefangen werden.

Der Tarif ist auch in der Komfort-Variante von der Leistungshöhe nur eine Basis-Versorgung und sollte wenigstens im generell wichtigen stationären Bereich durch einen zusätzlichen Tarif ergänzt werden, da hier außer Rooming-In überhaupt keine Leistung vorgesehen ist. Für Familien unter vier Kindern im Haushalt ist zu prüfen, ob eine einzelne Absicherung nicht sinnvoller sein könnte.

Written by Philip Wenzel

Philip Wenzel ist Fachwirt für Versicherungen und Finanzen (IHK) und betreut bei der freche versicherungsmakler GmbH & Co. KG die biometrischen Risiken. Mit über 200 Artikeln, mehreren Dossiers und seinem „Leitfaden für den Vertrieb von Berufsunfähigkeitsversicherungen“ hat er sich in der Branche den Ruf eines gewissenhaften Bedingungslesers, und auch –verstehers, erarbeitet. Als gelernter Historiker ist er immun gegen Langeweile, was wahrscheinlich der Grund ist dafür, dass er all die AVB und Urteile ohne Schaden lesen kann. In seinen Vorträgen referiert er stark aus der Praxis, bricht mit eingefahrenen Denkweisen und hilft, eine Brücke zum Kunden zu bauen. Er lebt mit seiner Frau und seinen beiden Töchtern in Kemnath in der Oberpfalz.

Website: https://www.freche-versichert.de

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

freche versicherungsmakler GmbH & Co. KG hat 4,86 von 5 Sternen | 418 Bewertungen auf ProvenExpert.com