Die Risikolebensversicherung der DELA

Manchmal muss man einfach genauer hinsehen...

Als ich von der Risikolebensversicherung der DELA gehört habe, musste ich gleich mal auf deren Seite schauen. Hat mir alles ganz gut gefallen. Aber manches war halt erklärungsbedürftig.

Das Imageproblem der Versicherungsbranche beruht zum Teil darauf, dass es immer wieder Unterschiede zwischen der Außendarstellung der Tarifleistungen und dem, was in den Bedingungen steht, gibt. So gibt es immer wieder viel in Flyern oder auf Internetseiten zu lesen, dass einen guten Eindruck macht, aber dann in den Allgemeinen Versicherungsbedingungen nur in abgeschwächter Form oder überhaupt nicht zu finden ist.

Ich möchte voranstellen, dass es mit Sicherheit auch an mir liegt, weil ich kleinlicher bewerte, wenn sich ein Versicherer nach außen zu kundenfreundlich und fast kumpelhaft zeigt. Aber ich finde, ich muss mich vor allem an meinem Selbstbild messen lassen. Das führt nämlich automatisch zu Bescheidenheit und diese ziert Mensch und Versicherer gleichermaßen.

Wer ist DELA?

Aber zur Sache: Die DELA ist ein niederländischer Versicherer mit einer Zweigniederlassung in Deutschland. Hier ist das Unternehmen noch unbekannt. In den Niederlanden ist er aber sicher kein kleiner Versicherer, weil er nach eigenen Angaben 4 Millionen Risikolebensversicherungen im Bestand hat, was bei knapp 17 Millionen Niederländern nicht schlecht ist.

Der Versicherer hat nur die Risikolebensversicherung im Programm und Spezialisierung ist sicherlich als Vorteil zu werten.

Auch der Tarif an sich kommt auf der Internetseite, auf der der Leser beinahe erwartbar geduzt wird, sehr vorteilhaft rüber.

Was kann die Risikolebensversicherung der DELA?

Interessant sind die Optionen zur erneuten Gesundheitsprüfung und die Umstellungen eines Rauchertarifs. Wenn ich während der Vertragslaufzeit gesunde, kann ich das melden und der erhobene Zuschlag oder der Ausschluss fallen weg. Ein Anspruch auf den Wegfall des Ausschlusses findet sich allerdings nicht in den AVB.

Analog dazu werden Raucher nach einem Jahr Rauchfreiheit als Nichtraucher eingestuft. Allerdings geht das auch in die andere Richtung. Die AVB erlauben es der DELA jederzeit das Rauchverhalten durch einen Arzt untersuchen zu lassen.

Spannend ist auch der Familienschutz, über den ich mir Hilfe holen kann, wenn z.B. eine Sorgerechtsverfügung erstellen möchte. In die gleiche Kerbe schlägt das Ersthilfe-Programm, das psychologische Betreuung für Hinterbliebene anbietet. Die DELA übernimmt hier die Kosten der Erstberatung. Derlei Dienstleistungen bilden einen sehr schönen Rahmen um das Produkt.

Eine Vorauszahlung bei tödlicher Krankheit gibt es schon häufiger am Markt und die DELA zahlt auch „nur“ 15% der Versicherungssumme, maximal 50.000 Euro.

Was mich bissi stört…

Bei all diesen kundenfreundlichen Tarifdetails ist es für mich verwunderlich und eben ärgerlich, dass die DELA von einem lebenslang garantierten Beitrag spricht. Auf der Internetseite steht dazu: „Der Vorteil unserer DELA Kooperative: Wir sind ausschließlich Euch – unseren Mitgliedern – verpflichtet. Wir spielen nicht mit Überschüssen und geben auch keine Versprechen, die wird nicht halten können. Bei uns zahlt Ihr immer Euren vereinbarten, garantierten Beitrag – versprochen!“

Tatsächlich gibt es keinen erkennbaren Brutto-Beitrag, sondern nur einen Zahlbeitrag. Da stellt sich die Frage, wie der Versicherer dieses Versprechen bei wirtschaftlichen Problemen oder einer Fehlkalkulation aufrecht halten will.

„Normale“ Versicherer haben dann die Möglichkeit, zwischen den Netto- bis zum Brutto-Beitrag anzupassen. Das ist nicht besser, vor allem, weil ich als Versicherter nur schwer überprüfen kann, ob nicht von vorneherein vom Versicherer geplant war, mit einem günstigen Netto-Beitrag die Kunden anzulocken.

Das kann mir bei der Risikolebensversicherung der DELA nicht passieren. Was positiv zu werten ist.

Unklar bleibt, welches Korrektiv die DELA einsetzen könnte, wenn sich mal ein Aktuar verrechnet hat.

In den AVB findet sich dann die Möglichkeit, mithilfe des § 163 VVG den Beitrag anzupassen oder die Leistung zu kürzen.

Die DELA reagiert prompt

Auf eine Anfrage reagierte die DELA prompt und mit einem Satz, der mir schon viel besser auf der Internetseite gefallen würde: „Die DELA garantiert den vereinbarten Beitrag auch in den Grenzen, die das deutsche Versicherungsvertragsgesetz setzt.“ Sofern es also zu einem unerwartet hohen Leistungsbedarf käme, weil z.B. die Niederlande im Meer versinkt, darf die DELA den Beitrag anpassen oder – und dann stimmt auch die lebenslange Garantie – die Leistung absenken.

Damit ist die Risikolebensversicherung der DELA nicht schlechter als andere und die Hürden, den §163 VVG einzusetzen sind auch entsprechend hoch. Mich stört aber, dass mit etwas geworben wird, das bei dem Kunden ein Gefühl von uneingeschränkter Sicherheit auslöst, aber eigentlich vom Vermittler noch ausgiebiger erklärt werden müsste.

Ungünstige Regelungen im Leistungsfall

Ein weiterer Kritikpunkt, der etwas kleinlich scheint, ist die Meldefrist im Leistungsfall. Wie üblich ist der Tod unverzüglich anzuzeigen. Das bedeutet, so schnell wie es eben möglich ist. Das kann je nach Gemütszustand auch mal eine Zeit dauern, bis sich Hinterbliebene um den Versicherungsordner kümmern. Bei der DELA gibt es zusätzlich eine harte Grenze von 30 Tagen. Gerade nach einem frühen Tod könnte es aber durchaus länger dauern, bis ich soweit bin, an die Risikolebensversicherung der DELA zu denken.

Ebenfalls unglücklich ist, dass der Erbschein im Original vorgelegt werden muss, wenn es sich um einen Erbfall handelt. Sollte es sich nämlich bei der versicherten Person um den Versicherungsnehmer handeln, würde die Leistung als Erbe ausbezahlt. Bei der Risikolebensversicherung der DELA sollte ich also immer die versicherte Person vom Versicherungsnehmer trennen.

Sehr interessant sind wiederum die Gesundheitsfragen. Die DELA will beispielsweise bei der Frage nach Medikamenten keine Medikamente zu Schilddrüsenunterfunktionen wissen. Oder bei der Frage nach stationärem Aufenthalt die Muskel-, Band- und Sehnenverletzungen ausklammert. Das ist auch logisch, denn das tut zwar weh, aber man stirbt in der Regel nicht daran.

Unterm Strich täte die DELA gut daran, sich auf die tatsächlich vorhandenen Vorteile des Tarifes zu konzentrieren. Da gibt es ja genug. So hat das halt einen faden Beigeschmack.

Der 38-Jährige Nichtraucher zahlt für 100.000 Euro bei 20 Jahren Laufzeit 92,50 Euro im Jahr.

Wer Fragen dazu hat, darf mich gerne kontaktieren.

 

Written by Philip Wenzel

Philip Wenzel ist Fachwirt für Versicherungen und Finanzen (IHK) und betreut bei der freche versicherungsmakler GmbH & Co. KG die biometrischen Risiken. Mit über 200 Artikeln, mehreren Dossiers und seinem „Leitfaden für den Vertrieb von Berufsunfähigkeitsversicherungen“ hat er sich in der Branche den Ruf eines gewissenhaften Bedingungslesers, und auch –verstehers, erarbeitet. Als gelernter Historiker ist er immun gegen Langeweile, was wahrscheinlich der Grund ist dafür, dass er all die AVB und Urteile ohne Schaden lesen kann. In seinen Vorträgen referiert er stark aus der Praxis, bricht mit eingefahrenen Denkweisen und hilft, eine Brücke zum Kunden zu bauen. Er lebt mit seiner Frau und seinen beiden Töchtern in Kemnath in der Oberpfalz.

Website: https://www.freche-versichert.de

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