Ein Marktvergleich zur DU-Klausel

So viele Versicherer mit einer DU-Klausel gibt es ja nicht. Kann ich ja mal nen Vergleich machen...

Wer wissen will, was eine DU-Klausel ist, der darf das gerne hier nachlesen. In diesem Artikel geht es nur um die Dienstunfähigkeits-Klauseln und nicht um die dahinterliegenden Bedingungen der Berufsunfähigkeitsversicherung. Wer das wissen will, darf gerne die einzelnen Artikel zu den Tarifen in meinem Blog lesen 🙂

Also, los geht´s!

Was vergleiche ich bei der DU-Klausel?

Ich unterscheide zwischen der echten und unechten Dienstunfähigkeits-Klausel. Außerdem interessiert mich, wie die Versicherer bei Beamten auf Widerruf oder Probe leisten. Denn hier ist der Bedarf deutlich höher als bei Beamten auf Lebenszeit.

Die Klauseln zur speziellen Dienstunfähigkeit mag ich nicht beurteilen. Ich kann diese bei fast jedem Versicherer auf Anfrage einschließen lassen. Aber ich kann mir keinen Fall ausdenken, wo nicht auch die Berufsunfähigkeitsversicherung leisten würde, ohne dass ich dafür mehr Geld bezahlen müsste.

Auch die begrenzte Dienstfähigkeit spreche ich in diesem Artikel nicht weiter an, weil ich dazu schon was geschrieben habe und der Bedarf in Bayern, wo ich nun mal lebe, nicht so riesig ist. Deshalb interessiert mich das nicht so sehr. Für Bundesbeamte oder andere Bundesländer kann das aber schon interessant sein. Dann haben die DBV und die Debeka eben diesen Vorteil.

Und der Verzicht auf konkrete Verweisung bei Beamten ist Käse. Ein Beamter, der kein Beamter mehr ist, könnte immer auf die fehlende Vergleichbarkeit zwischen dem Beamten- und Angestelltenverhältnis verweisen, um eben nicht konkret verwiesen werden zu können. Und selbst wenn: In meinen Augen besteht kein Bedarf, wenn ich ungefähr das gleiche verdiene wie vorher.

Wer bietet alles eine echte DU-Klausel an?

Eine Dienstunfähigkeitsversicherung bieten derzeit nach meinem begrenzten Wissen die Aachen Münchener, die Bayerische, die DBV, die Debeka, die Condor, die Ergo, die HUK, die Nürnberger, die R+V, die Signal, die SDK, die Universa, die WWK und die Württembergische an.

Eine echte DU-Klausel bietet die Aachen Münchener, die Bayerische in den Tarifvarianten Komfort und Prestige, die Condor, die DBV, die Debeka, die R+V, die SDK und die Signal an. Die Aachen Münchener beschränkt die Klausel allgemein auf das Erreichen des Endalters 60. Am Rande sei bemerkt, dass die Ergo und die Universa die Grenze bei 46 bzw. 50 ziehen.

Die SDK versichert keine Polizisten, Feuerwehrleute, Bundespolizei, Justizvollzugsbeamte, Beamte des Zoll und Lehrer.

Alle weiteren Anbieter verlangen als Leistungsauslöser das Vorliegen der Dienstunfähigkeit und zusätzlich die Versetzung in den Ruhestand oder die Entlassung. Das bedeutet, die Entscheidung des Dienstherren ist für den Versicherer nicht bindend. Er darf selbst prüfen, ob eine DU vorliegt oder nicht.

Das ist deswegen so gefährlich, weil der § 26 Beamtenstatusgesetz einige Möglichkeiten zur Verweisung bietet. Der Dienstherr dürfte von mir sogar, eine Umschulung oder Weiterbildung verlangen, um mich zu verweisen. Das kann nicht gut sein.

Ich schränke im Weiteren die Auswahl auf die echten DU-Klauseln ein, wenn das mit euch ok ist 🙂

Welche DU-Klausel leistet auch bei Entlassung?

Von den Anbietern einer echten Dienstunfähigkeitsversicherung beschränkt die Condor und die Aachen Münchener die Klausel auf Beamte auf Lebenszeit. Das ist daran zu sehen, dass die Condor nur bei der Versetzung in den Ruhestand leistet. Sollte aber ein Beamter auf Probe wegen einer Dienstbeschädigung oder eines Dienstunfalls in den Ruhestand versetzt werden, leisten beide. Diese Fälle sind allerdings sehr selten.

Die R+V hat die gleiche Klausel wie die Condor, bietet aber seit dem 01.10.2018 eine einzelvertragliche Vereinbarung für Beamte auf Widerruf und Probe an. Find ich gut.

Alle anderen leisten auch bei der Entlassung der Beamten. Die DBV leistet, solange der entlassene Beamte Bezüge erhält oder die Einschränkung, die zur Entlassung geführt hat, unverändert fortbesteht. Das klingt beim ersten Hinhören gut, aber es bedeutet, dass die Leistung eingestellt wird, wenn sich der Krankheitszustand des entlassenen Beamten verändert.

Wenn ich böse wäre, wäre auch eine Verschlechterung eine Veränderung. Aber selbst bei einer Verbesserung müsste die DBV nicht abwarten, bis ein Grad von weniger als 50% erreicht ist, um die Leistung einzustellen.

Ist die Leistung dann mal eingestellt, kann ich aber trotzdem noch berufsunfähig sein. Das muss ich jetzt aber neu beantragen und beweisen. Ich befände mich also in der Erstprüfung. Wenn wir einen guten Anwalt kennen, dann können wir an dieser Stelle der DBV schon auch klar machen, dass sie sich nur über eine Nachprüfung von einem unbefristeten Anerkenntnis lösen kann. Aber den musst du halt auch erstmal kennen…

Nachprüfung ist immer besser als Erstprüfung

Bei der Bayerischen, der Debeka, der R+V und der SDK und der Signal befindet sich der entlassene Beamte in diesem Moment in der Nachprüfung. Nicht ich muss beweisen, dass eine BU besteht. Der Versicherer muss nachweisen, dass die BU nicht mehr besteht. Das ist ein enormer Vorteil für den Versicherten.

Bei der SDK und der Signal sticht bei all der positiven Bewertung eine Sache unangenehm ins Auge: Bei den Obliegenheit bei der Beantragung der Dienstunfähigkeit heißt es, dass der Nachweis zusätzlich zu dem Nachweis der Berufsunfähigkeit erbracht werden muss. Das kann bei strenger Auslegung bedeuten, dass ich alle Formulare, Gutachten und Atteste vorlegen, die ich auch bei einer BU-Prüfung bringen müsste. Damit wäre der Vorteil der echten DU-Klausel dahin. Außerdem ersetzt die DU-Klausel die BU-Klausel. Ich kann also strenggenommen nicht mehr BU, sondern nur noch DU werden.

Und bei der Debeka sticht unangenehm ins Auge, dass ich bei Beamten auf Widerruf und Probe nach 6 Jahren auf BU geprüft werde, komme was wolle. Zunächst mal kein Problem. Aber die Definition der Debeka verlangt 75% BU-Grad für volle Leistung… Das ist ein erheblicher Nachteil.

Am Ende bleiben also die Bayerische und die R+V, deren Klauseln bedingungsgemäß nach meiner Lesart am Besten sind.

Zusammenfassung

Unterm Strich ist aber auch hier die beste Annahme durch den Versicherer entscheidend. Denn die DU-Klausel vereinfacht vielleicht den Zugang zur Leistung. Aber wenn ich weiß, wie es geht, kann ich auch mit einer Berufsunfähigkeitsversicherung jeden Beamten zur berechtigten Leistung bringen.

Wenn du ein Beamter bist und bis hier durchgehalten hast, dann darfst du mich gerne einfach kontaktieren 🙂

Written by Philip Wenzel

Philip Wenzel ist Fachwirt für Versicherungen und Finanzen (IHK) und betreut bei der freche versicherungsmakler GmbH & Co. KG die biometrischen Risiken. Mit über 200 Artikeln, mehreren Dossiers und seinem „Leitfaden für den Vertrieb von Berufsunfähigkeitsversicherungen“ hat er sich in der Branche den Ruf eines gewissenhaften Bedingungslesers, und auch –verstehers, erarbeitet. Als gelernter Historiker ist er immun gegen Langeweile, was wahrscheinlich der Grund ist dafür, dass er all die AVB und Urteile ohne Schaden lesen kann. In seinen Vorträgen referiert er stark aus der Praxis, bricht mit eingefahrenen Denkweisen und hilft, eine Brücke zum Kunden zu bauen. Er lebt mit seiner Frau und seinen beiden Töchtern in Kemnath in der Oberpfalz.

Website: https://www.freche-versichert.de

Recent Comments

  • Judith Schmied

    10. Juli 2018 at 1:38 PM

    „Bei der Bayerischen, der Debeka und der Signal befindet sich der entlassene Beamte in diesem Moment in der Nachprüfung. Nicht ich muss beweisen, dass eine BU besteht. Der Versicherer muss nachweisen, dass die BU nicht mehr besteht. Das ist ein enormer Vorteil für den Versicherer.“ Du meintest sicher ist ein enormer Vorteil für den Versicherten, oder?

  • Peter Jung

    3. Oktober 2018 at 6:06 PM

    Die R+V hat ja nun auch eine echte DU Klausel. Mal sehen wie die Reaktionen der Profis sind

  • Gerd Kemnitz

    8. Oktober 2018 at 8:51 AM

    Der Begriff „echte Dienstunfähigkeitsversicherung“ ist historisch schon besetzt. Eine echte DU-Klausel lautete so oder so ähnlich:
    „Bei Beamten des öffentlichen Dienstes gilt die Versetzung in den Ruhestand wegen allgemeiner Dienstunfähigkeit bzw. die Entlassung wegen allgemeiner Dienstunfähigkeit als Berufsunfähigkeit.“

    Deshalb sollten wir heutige DU-Klauseln mit dem Zusatz „ausschließlich infolge Krankheit, Körperverletzung oder Kräfteverfall“ nicht auch als echte DU-Klausel bezeichnen. Wir würden sie dann mit den historischen, aber durchaus im Bestand noch existierenden echten DU-Klauseln gleichsetzen. Und wir wissen doch alle, dass der Dienstherr bei seiner Entscheidung nicht zwangsläufig an das Gutachten des Amtsarztes gebunden ist.

    • Philip Wenzel

      8. Oktober 2018 at 9:42 AM

      Da hab ich einige Zeit drüber nachgedacht… 1. fiel mir kein griffiger Name für die neuen Varianten ein und 2. wäre die alte Variante in vielen Fällen auch nicht sinnvoll, da der Beamte für gewöhnlich nicht verpflichtet ist, sich untersuchen zu lassen und als DU angesehen wird, wenn er sich nicht amtsärztlich untersuchen oder beobachten lässt.
      3. hätte bei einer alten „echten DU“ der Versicherer keine Möglichkeit, einen Leistungsausschluss zu prüfen. Was erstmal nicht schlecht ist, aber dem Versicherer wahrscheinlich nicht so recht 🙂
      Nach meiner Lesart kann der Versicherer nur prüfen, dass die DU auf Krankheit, Körperverletzung oder Kräfteverfall beruht, aber mehr auch nicht. Das ist in meinen Augen keine ernste Verschlechterung, da der eigentliche Leistungsfall abgedeckt ist. Eine Versetzung in Folge einer Privatisierung sollte in meinen Augen auch kein Leistungsfall sein.

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