Was ist eine Grundfähigkeits-Versicherung?

Wie funktioniert die Grundfähigkeits-Versicherung? Wer braucht eine Grundfähigkeits-Versicherung?

Die Grundfähigkeits-Versicherung ist so ziemlich das neueste Produkt zur Arbeitskraft-Absicherung. Die GFV zahlt eine monatlliche Rente, wenn ich Sinne oder Grundfähigkeiten verloren habe. So einfach ist das. Naja, ist es nicht. Kommt auf die Bedingungen an. Die erkläre ich aber später. Jetzt schauen wir uns erstmal an, wer eine Grundfähigkeits-Versicherung brauchen kann.

Wer braucht unbedingt eine Grundfähigkeits-Versicherung?

Das ist leicht beantwortet: Kein Mensch braucht unbedingt eine GFV. Aber bitte jetzt weiterlesen, ok? Sie kann schon sinnvoll angewandt werden. Das Problem ist, dass sie nicht das Einkommen absichert. Sie sichert den Verlust von Sinnen und Grundfähigkeiten ab. Also, die finanziellen Folgen des Verlusts.

Nehmen wir mal mich als Beispiel. Ich kann plötzlich aufgrund einer gesundheitlichen Einschränkung meine Arme nicht mehr gebrauchen. Solange ich noch tippen kann, ist alles ok. Ich kann weiterhin Geld verdienen. Ich kann aber nicht mehr im Garten arbeiten, im Haushalt helfen (Buhu! ;-)), Sport machen oder mit meinen Töchtern spielen. Mit einer GFV könnte ich mir einen Gärtner und eine Haushaltshilfe leisten.

Angenommen, ich würde blind. Ich könnte kein Geld mehr verdienen und wäre auch im Alltag eingeschränkt. Die GFV würde leisten. Alles ist gut.

Angenommen ich hätte eine schwere Depression. Ich könnte kein Geld mehr verdienen, würde aber aus der Grundfähigkeits-Versicherung keine Rente bekommen. Das wäre doof.

In welcher Höhe sollte ich nun die versicherte Rente abschließen? Für den Fall, dass ich weiter Geld verdiene oder für den Fall, dass ich keines mehr verdiene? Und was ist mit dem Risiko der psychischen Erkrankungen?

Die Grundfähigkeits-Versicherung ist ein Ergänzungs- oder Ausweichprodukt

Was bei dem Beispiel klar wird: die GFV ist keine Alternative zur Berufsunfähigkeits-Versicherung. Sie ist ein Ergänzungsprodukt, wenn ich meine Einschränkungen in der Freizeit finanziell absichern möchte. Als Einkommens-Absicherung ist die GFV maximal eine Notlösung, ein Ausweichprodukt. Wenn ich mir richtig doll Mühe gebe, kann das aber trotzdem funktionieren. Und zwar so:

  1. Tätigkeitsbeschreibung verfassen: Ich muss einen Plan erstellen, welche Sinne und Grundfähigkeiten ich bei der Arbeit so brauche. Das schreibe ich dann in Zeiträumen auf, bis mein Arbeitstag voll ist. Da steht dann z.B., dass ich 3 Stunden kniend arbeite und 2 Stunden Sachen hebe und trage.
  2. Bedingungen vergleichen: Entweder ich rufe meinen Kemnather Versicherungsmakler an oder ich nehme mir alle Bedingungen der am Markt erhältichen Grundfähigkeits-Versicherungen, erstelle eine Excel-Tabelle, in der ich alle Leistungsauslöser vergleichen und bewerten kann und nehme dann die Punkte als oberste Priorität, die in meiner Tätigkeitsbeschreibung (siehe Punkt1) den höchsten Zeitwert haben. Und für alle außerhalb der Oberpfalz: Dank Internet ist Kemnath praktisch überall 😉
  3. Risiko abwägen: Wie wahrscheinlich ist der Verlust eines Sinnes oder einer Grundfähigkeit? Um wieviel ist die GFV günstiger als eine Berufsunfähigkeits- oder Erwerbsunfähigkeits-Versicherung? Psychische Erkrankungen sind nicht mitversichert. Da das Risiko aber recht hoch ist, muss auch die Beitragsersparnis entsprechend hoch sein. Sonst ergibt es keinen Sinn eine Grundfähigkeits-Versicherung als Alternative zur Berufsunfähigkeitsversicherung abzuschließen.

Psyche ist teilweise eben doch versichert

Die wenigsten Grundfähigkeits-Versicherungen schließen psychische Erkrankungen generell aus. Über den Leistungsbaustein, der bei Pflegebedürftigkeit leistet, sind psychische Erkrankungen wieder eingeschlossen. Allerdings muss ich pflegebedürftig werden. Das ist schon recht heftig. Aber eben nicht unmöglich. Eine starke Selbst- oder Fremdgefährdung würde z.B. eine Leistung bedingen.

Was kann die Grundfähigkeits-Versicherung?

Das wird hier nur in aller Kürze besprochen. Einen ausführlichen Vergleich aller GFV am Markt gibt es hier.

Die Grundfähigkeits-Versicherung leistet, wenn ich für 12 Monate einen Sinn oder eine Grundfähigkeit verliere eine Rente in vereinbarter Höhe. Es wird nix angerechnet und gibt im Leistungfall auch keine Möglichkeit des Versicherers, eine Angemessenheit zu prüfen.

Der Grundfähigkeits-Schutzbrief der Zurich ist derzeit der einzige Tarif, der schon nach 6 Monaten Verlust eine Leistung erbringt. Das kann bei einem Schlaganfall schon mal helfen. Angenommen, eine halbseitige Lähmung ist nach 9 Monaten wieder über REHA-Maßnahmen geheilt, gäbe es hier eine Rente. Die Nürnberger hat mittlerweile nachgezogen. Bitte den aktuellen Marktvergleich beachten 🙂

Bei den Sinnen Sehen, Sprechen und Hören nehmen sich die Anbieter kaum was. Die WWK disqualifiziert sich durch die unklare Definition. Die Seh- oder Hörfähigkeit müsse vollständig verloren gehen. Die anderen Anbieter definieren ein Restseh- oder Hörvermögen.

Schon beim Gleichgewichtssinn gibt es mit der Zurich und der WWK zwei Versicherer, die diesen Sinn nicht im Angebot haben.

Beim Sprechen punktet die Nürnberger, da sie die ausdrücklich erwähnt, das die gesprochenen Worte nur in der jeweiligen Sprache eine Bedeutung haben müssen. Das sollte logisch sein, lässt den anderen Versicherern im Extremfall auch eine gemeine Tür offen.

Welche Grundfähigkeiten sind versichert?

Die Grundfähigkeiten sind dann wieder sehr verschieden. Der Gebrauch einer Hand ist beim Vital-Schutz der Swiss Life darüber definiert, ob ich eine Glühbirne in einen E-27-Sockel schrauben kann. Insgesamt fällt auf, dass die Swiss Life sehr genau und nachprüfbar definiert. Das gefällt mir sehr gut.

Beim €xistenzschutz des Volkswohl Bundes ist es ein Wasserhahn, den ich auf- und wieder zudrehen muss. Wo dieser Wasserhahn ist und wie dieser aussieht, weiß keiner so genau.

Die Grundfähigkeits-Versicherung der Nürnberger verlangt eine geöffnete Flasche zu schließen und wieder zu öffnen oder eine Schraube in ein gedübeltes Loch zu drehen. Das sind schon mal zwei Möglichkeiten.

Auch die Dortmunder mit dem Plan D verlangt den berühmten Wasserhahn. Zusätzlich muss ich noch eine Wäscheklammer auf Hüfthöhe befestigen. Das ist interessant, weil hier sowohl Kraft als auch Präzision erforderlich ist.

Die Canada Life führt gleich 6 verschiedene Tätigkeiten auf, weshalb ich beim Gebrauch der Hand hier den stärksten Auslöser sehe.

Beim Gebrauch der Arme verlangt die Canada Life, dass ich ohne Hilfestellung eine Jacke anziehen kann. Ohne sie zu schließen.

Andere verlangen die Arme auf Schulterhöhe zu heben und zu halten und auch einen Gegenstand zu tragen.

Was bedeutet „arbeiten“ in der Grundfähigkeits-Versicherung?

Die Körperschutz-Police der Allianz verlangt, auf Brusthöhe arbeiten zu können. Das ist einigermaßen verwirrend, da die Grundfähigkeits-Versicherung ja keinerlei Bezug zu meiner Arbeit hat. Ich als Versicherungsmakler arbeite auch nicht auf Brusthöhe. Stellt sich also die Frage, welche Arbeit damit gemeint ist. Gemäß § 305c Satz 2 BGB darf ich mir aussuchen, welche Arbeit ich damit meine. Das könnte also noch lustig werden für die Allianz.

Knien und Bücken dürfte für einige Berufsgruppen ein interessanter Absicherungsbereich sein. Nur die Nürnberger verzichtet auf diesen Auslöser. Deshalb ist sie auch recht günstig. Für Berufe, die ohne Arbeiten im Knien auskommen, kann es dennoch die richtige Lösung sein.

Die Zurich hat hier den besten Auslöser, weil nicht nur verlangt wird, den Boden zu berühren, sondern einen Stift aufzuheben. Das ist ein wenig schwieriger und somit besser.

Auslöser „Heben und Tragen“

Den Auslöser „Heben und Tragen“ haben nur die Swiss Life und die Canada Life. Bei der Swiss Life muss ich einen Gegenstand mit Griff von 2kg Gewicht vom Boden aufheben und eine Minute zu halten. Bei der Canada Life muss ich einen 2kg-schweren Gegenstand vom Tisch heben und 5m weit tragen. Das zu vergleich fällt mir schwer. Gefühlt wäre es in meinen Augen schwerer, das Gewicht 1 Minute zu halten. Und auch das Aufheben vom Boden ist sicherlich schwerer als das vom Tisch.

Das Schreiben ist bei der Dortmunder, der Nürnberger und der Swiss Life explizit versichert. Bei der Canada Life ist es beim Gebrauch der Hand dabei. Hier gewinnt die Swiss Life, da die 5 Wörter mindestens 10 Buchstaben haben müssen und ein unbeteiligter Dritter sie lesen können muss.

Gebrauch der Beine

Beim Gebrauch der Beine geht es darum, 400m ohne Unterbrechung zu gehen oder 12 Stufen zu steigen. Ich muss hier darauf achten, ob die Unterbrechung zeitlich definiert ist und ein Zeitraum bestimmt ist, innerhalb dessen ich das schaffen soll. Ansonsten wäre es ja Quatsch, wenn ich da ewig die Treppe raufklettern könnte.

Stehen und Sitzen haben Zurich und Allianz nicht. Wie wichtig dieser Auslöser ist, kann ich irgendwie nicht greifen. Mir fällt wenig ein, wo ich noch Treppensteigen könnte, aber keine 20 Minuten mehr sitzen. Das Problem dabei ist auch, dass nicht definiert ist, wie unangenehm mir das Sitzen sein darf. Besser, wenn es drin ist, ist aber für mich kein K.O.-Kriterium.

Die Grundfähigkeit Autofahren definiert sich über den Verlust der Fahrerlaubnis. Hier ist die Zurich die einzige Versicherung, die auf ein verkehrsmedizinisches Gutachten verzichtet.

Intellekt ist mitversichert

Beim Intellekt geht es vor allem darum, zu den dümmsten 10% der Bevölkerung zu gehören. Geprüft werden Gedächtnis, Konzentrationsvermögen, Orientierungsfähigkeit und solche Sachen eben.

Auch das eigenverantwortliche Handeln versichern alle außer der Zurich und der Allianz. Hier muss eben ein gerichtlicher Betreuer bestellt werden, damit ich eine Rente erhalte.

Psychische Erkrankungen kann ich bei der Swiss Life und bei der Dortmunder über einen entsprechenden Baustein einschließen. Bei der Swiss Life sind schwere Depressionen und Schizophrenie versichert, bei der Dortmunder nur schwere Depressionen. Beide Leistungsauslöser schließen jeden Zusammenhang zu Alkohol und Drogen aus. Das kann hier und da mal zu Problemen führen. Denn was zuerst da war, Depression oder Alkohol, wird sich schwer beweisen lassen.

Richtig gut versichert das mittlerweile die Nürnberger. Hier sind keine einzelnen Diagnosen aufgezählt. Sobald voll Erwerbsminderung aufgrund einer psychischen Erkrankung vorliegt, wird geleistet.

Die Dortmunder versichert Herz und Lunge

Bei der Dortmunder ist auch das Herz und die Lunge versichert. Die Leistung muss unumkehrbar und dauerhaft eingschränkt sein. Und das in einem erheblichen Maße.

Unterm Strich ist die GFV eben keine Alternative zur Einkommens-Absicherung. Aber zur Absicherung der Arbeitskraft kann sie schon mal genutzt werden. Ich muss dann eben einschätzen, welches Risiko ich absichern möchte und worauf ich bereit bin zu verzichten, um die Prämie einsparen zu können.

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Written by Philip Wenzel

Philip Wenzel ist Fachwirt für Versicherungen und Finanzen (IHK) und betreut bei der freche versicherungsmakler GmbH & Co. KG die biometrischen Risiken. Mit über 200 Artikeln, mehreren Dossiers und seinem „Leitfaden für den Vertrieb von Berufsunfähigkeitsversicherungen“ hat er sich in der Branche den Ruf eines gewissenhaften Bedingungslesers, und auch –verstehers, erarbeitet. Als gelernter Historiker ist er immun gegen Langeweile, was wahrscheinlich der Grund ist dafür, dass er all die AVB und Urteile ohne Schaden lesen kann. In seinen Vorträgen referiert er stark aus der Praxis, bricht mit eingefahrenen Denkweisen und hilft, eine Brücke zum Kunden zu bauen. Er lebt mit seiner Frau und seinen beiden Töchtern in Kemnath in der Oberpfalz.

Website: https://www.freche-versichert.de

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