Ein Marktvergleich zur Grundfähigkeitsversicherung

Die Grundfähigkeitsversicherung ist sehr beliebt, aber kaum einer weiß, worin sich die einzelnen Tarife unterscheiden.

Die Grundfähigkeitsversicherung wird mitunter damit beworben, dass die Auslöser für den Kunden leichter zu verstehen seien als die Berufsunfähigkeit. Selbstverständlich ist die Definition der BU umfassender, da sie die ausgeübte Tätigkeit mit einem Krankheitsbild in Verbindung setzt. Dafür ist diese Definition im Versicherungsvertragsgesetz §172 festgeschrieben und findet sich so oder so ähnlich in allen AVB der BU-Versicherer wieder.

Die Grundfähigkeitsversicherung ist noch relativ jung und hat sich auch noch nicht bedeutend am Markt durchgesetzt. Eine standardisierte Definition der einzelnen Grundfähigkeiten gibt es eben so wenig, wie einen Katalog, der festlegen würde, welche Grundfähigkeiten in einer Grundfähigkeitsversicherung enthalten sein müssen.

Aus diesem Grund sind die einzelnen Tarife untereinander nur schwer vergleichbar.

Wie funktioniert die Grundfähigkeitsversicherung?

Die Grundfähigkeitsversicherung sichert den Verlust von Sinnen und Grundfähigkeiten ab. Also keine erlernten Fertigkeiten, sondern angeborene Fähigkeiten. Deswegen besteht, anders als bei der Berufsunfähigkeitsversicherung, kein Zusammenhang zwischen den Leistungsauslösern und meinem Beruf. In manchen Fällen kann das zwar schon vorkommen, aber das ist dann Zufall. Ein Fliesenleger ist z.B. berufsunfähig, wenn er sich nicht mehr knien und bücken kann. In diesem Fall würde er Geld von der BUV und der Grundfähigkeitsversicherung erhalten.

Psychische Erkrankungen in der Grundfähigkeitsversicherung

Anders als oft angenommen, sind psychische Erkrankungen in der Grundfähigkeitsversicherung sehr wohl mitversichert. Allerdings muss diese Erkrankung zu einer Pflegebedürftigkeit führen. Das ist sicherlich nicht so einfach, aber auch nicht unmöglich. Die Swiss Life und die Dortmunder bieten einen Baustein für psychische Erkrankungen an. Wie sinnvoll das ist, steht weiter unten 🙂

Die Leistungsauslöser in der Grundfähigkeitsversicherung

Im Folgenden soll der Versuch unternommen werden, zumindest die einzelnen Definitionen der Leistungsauslöser aller am Markt angebotenen GFV gegenüberzustellen. Diese Gegenüberstellung wird ergänzt durch einen Vorschlag für eine ideale Definition sowie einer subjektiven Einschätzung der Leistungsauslöser im Leistungsfall.

Die Reihenfolge der besprochenen Leistungsauslöser orientiert sich an den AVB des Vital-Schutzes Premium der Swiss Life, weil dieser derzeit die meisten Leistungsauslöser anbietet, wenn man die Leistungsauslöser, die den Intellekt betreffen, des safety first der CARDEA.life sinnvoll zusammenfasst.

Pflegebedürftigkeit und ergänzende Bausteine, wie z.B. Schwere Krankheiten, bleiben hier unbeachtet. Das würde zu weit führen.

Prognosezeitraum liegt bei 12 Monaten

Der Prognosezeitraum der Grundfähigkeitsversicherung am Markt liegt bei 12 Monaten. Alleine der Grundfähigkeits-Schutzbrief der Zurich und die GrundfähigkeitsPolice der Aachen Münchener verkürzt auf sechs Monate. Die Swiss Life verkürzt den Prognosezeitraum ebenfalls auf sechs Monate für die Grundfähigkeit „Eigenverantwortliches Handeln“ und bei der WWK liegt der fingierte Prognosezeitraum bei sechs Monaten.

Da der Verlust einer Grundfähigkeit in den allermeisten Fällen von Dauer sein wird, hilft einem die Verkürzung aber dennoch, um früher an die versicherte Rente zu kommen. Außerdem ist es durchaus denkbar, dass z.B. nach einem Schlaganfall die Sprachfähigkeit nach acht Monaten wiederhergestellt ist. Bei der Zurich wären das acht Monatsrenten, bei den anderen Versicherern null Euro. Es ist zu erwarten, dass die Mitbewerber hier nachziehen.

Sehen

Die ersten Grundfähigkeiten sind in den AVB immer die Sinne Sehen, Hören, Sprechen und der Intellekt. Das mag daran liegen, dass die Sinne sich einigermaßen objektiv darstellen lassen. Zumindest bei der Definition der Grundfähigkeit „Sehen“ gibt es nix zu meckern. Im Mittel aller Anbieter lautet diese wie folgt:

„Der hochgradige Verlust der Sehfähigkeit liegt vor, wenn die versicherte Person nur noch ein sehr geringes Restsehvermögen hat oder an einer starken Einschränkung des Gesichtsfeldes leidet.

Folgende Leistungskriterien, bezogen auf das bessere und voll korrigierte Auge, müssen erfüllt sein:

– Restsehvermögen von höchstens 3/60 bzw. 0,05

oder

– Einschränkung des Gesichtsfeldes auf ≤ 15 Grad Abstand vom Zentrum, also Gesamtgesichtsfeldwinkel ≤ 30 Grad. Diese Einschränkungen dürfen nach aktuellem medizinischem Wissenstand nicht durch Brillen, Kontaktlinsen oder andere medizinische Maßnahmen (ohne Vollnarkose) behebbar bzw. verbesserbar sein.“

Fast alle Anbieter definieren ein Restsehvermögen von 5% oder ein Gesamtgesichtsfeldwinkel von 30 Grad, das sich durch zumutbare medizinische Maßnahmen nicht verbessern lässt. Hiervon weicht die Zurich negativ ab, weil sie einen Gesamtgesichtsfeldwinkel von 20 Grad definiert. Die Canada Life definiert das Restsehvermögen mit 4%. Bei der WWK muss die Sehkraft auf beiden Augen vollständig erloschen sein.

Unterm Strich muss man aber bei allen Anbietern ziemlich blind sein, um Leistung zu erhalten.

Sprechen

Bei der Definition des Sinnes „Sprechen“ wäre eine bessere Definition denkbar. Idealerweise würde die Sprechfähigkeit durch einen unbeteiligten Dritten geprüft. Kann sich der Versicherte einem unbeteiligten Dritten nicht mehr mit Namen vorstellen, muss der Versicherer leisten. Das wäre einigermaßen objektiv, da man davon ausgehen darf, dass der eigenen Name einem am geläufigsten ist, unabhängig davon, wie kompliziert dieser ist. Derzeit gibt es keine Grundfähigkeitsversicherung, die so prüft.

Die Definitionen der Versicherer beziehen sich manchmal auf objektive Testverfahren, wie z.B. den Aachener Aphasietest, was auch in Ordnung ist. Die wohl beste Definition hat hier die Nürnberger:

„Ein Verlust der Sprechfähigkeit liegt vor, wenn die versicherte Person die Sprechfähigkeit aufgrund körperlicher Ursachen völlig verloren hat oder Worte spricht, die ohne jegliche Bedeutung oder Vorkommen in der jeweiligen Sprache sind. Die Schädigung muss mittels Aachener-Aphasie-Test bestätigt sein. Psychogene Störungen oder Stottern fallen nicht unter den Versicherungsschutz.“

Wer muss mich noch verstehen?

Positiv hervorzuheben ist hier, dass nicht auf das soziale Umfeld abgestellt wird, dass den Versicherten noch verstehen können muss und dass das Vorkommen auf die jeweilige Sprache begrenzt ist, während andere auf jede bekannte Sprache verweisen. Wie das gehen soll, ohne dass sich der Versicherer lächerlich macht, sei dahingestellt. Es ist jedenfalls nicht anzunehmen, dass ein Gericht die Leistung verweigern würde, weil der Versicherte noch Worte sprechen kann, die in einer anderen als der Muttersprache eine Bedeutung haben. Das wäre Käse.

Psychische Ursachen sind bei fast allen Versicherern explizit ausgeschlossen.

Die Swiss Life definiert am genauesten und verlangt, wie auch die Dortmunder und die Aachen Münchener den abgeschlossenen Spracherwerb, was in der Regel mit sieben Jahren der Fall ist, die Verwendung geeigneter Hilfsmittel und einen Nachweis durch ein neurologisches Gutachten. Ob ein Gutachten hier zusätzlich notwendig ist, sei dahingestellt.

Der Rest der Tarife am Markt definiert dem Grunde nach wie die Swiss Life. Die WWK verlangt einen vollständigen Verlust, die Aachen Münchener bezieht sich auf die Umwelt, die mich verstehen muss. Hier ließe sich mit einem guten Anwalt einiges erreichen, da das nicht hinreichend genau definiert ist.

Hören

Das Hören ist wieder ganz ähnlich dem Sehen sehr ordentlich und objektiv definiert. Dabei hat sich der Markt auf einen dauerhaften Hörverlust von 80% geeinigt. Die Zurich definiert das folgendermaßen:

„Ein Verlust der Grundfähigkeit des Hörens liegt vor, wenn bei der versicherten Person eine Schwerhörigkeit auf beiden Ohren derart besteht, dass im Frequenzbereich des gesprochenen Wortes bei 1.000 bis 3.000 Hz, mittels Tonaudiogramm (Knochenleitung) ein Hörverlust von mindestens 80 % nachgewiesen wird. Der Verlust der Grundfähigkeit des Hörens muss außerdem durch ein weiteres anerkanntes Testverfahren (zum Beispiel BERA) bestätigt werden.“

Dass die Zurich hier nicht explizit die Verwendung von Hilfsmittel fordert, bedeutet keinesfalls, dass sie es nicht verlangt. Die Verwendung von Hilfsmittel ist an anderer Stelle in den AVB für alle Grundfähigkeiten geregelt. Negativ zu bewerten ist hier, dass der Hörverlust mit Hilfe zweier Testverfahren belegt werden muss. Das verlangen die Mitbewerber nicht.

Die CARDEA.life und die Allianz verlangen eine Einschränkung auf beiden Ohren von 60 db oder mehr.

Ausgeschlossen ist der psychogene Hörverlust.

Unterm Strich muss ich so gut wie taub sein.

Gleichgewicht

Beim Verlust des Gleichgewichtssinnes teilt sich der Markt in zwei Lager: Der Handwerker-Schutz der Nürnberger und der Vitalschutz der Swiss Life definieren objektiv und beinahe inhaltsgleich wie folgt (Swiss Life):

„Ein Verlust des Gleichgewichtssinnes liegt vor, wenn die Versicherte (sic!) Person weder 10 Meter entlang einer imaginären Linie (Strichgang) mit geschlossenen Augen ohne Fallneigung auf festem und ebenem Boden mit einem für Gehwege üblichen Bodenbelag gehen kann noch 50 Schritte auf fester und ebener Stelle mit geschlossenen Augen treten kann, ohne sich dabei um mindestens 45 Grad zur Seite zu drehen oder mit geschlossenen Augen und parallelem Fußstand keine 60 Sekunden auf fester und ebener Stelle stehen kann, ohne Fallneigung zu bekommen.

Der Verlust des Gleichgewichtssinnes ist anhand eines fachärztlichen HNO-Befundberichts nachzuweisen. Die Störung muss durch eine Verletzung oder organische Erkrankung des Gehirns (z. B. Multiple Sklerose, Schädelhirntrauma, Schlaganfall, Hirntumor, Epilepsie) oder eine nachweisbare Schädigung des Gleichgewichtsorgans oder eine Schädigung der kleinen Nerven der Füße und Unterschenkel (Polyneuropathie) verursacht worden sein, was vor allem bei Diabetikern der Fall sein kann.

Ausschluss Alkoholmissbrauch

Ausdrücklich vom Versicherungsschutz ausgeschlossen sind Polyneuropathien, die nachweisbar auf Alkoholmissbrauch zurückzuführen sind und alle Fälle von Gleichgewichtsstörungen auf Basis einer psychiatrischen Erkrankung.“

Diese Definition ist ausreichend objektiv und im Sinne der Transparenz nur schwer zu verbessern.

Das andere Lager, bestehend aus KörperschutzPolice der Allianz, €xistenzschutz des Volkswohl Bundes, Canada Life und CARDEA.life stellt darauf ab, dass ein Besteigen von Leitern und Gerüsten nicht mehr ohne Unfallgefahr möglich wäre. Wie dieser Nachweis zu führen sei, bleibt unklar.

Diese Definition ist zwar praxisnah, aber im Kundensinne ist hier die Definition des Handerwerker-Schutzes der Nürnberger und des Vital-Sschutzes der Swiss Life vorzuziehen.

Zurich, Aachen Münchener und WWK haben diesen Punkt nicht als Leistungsauslöser definiert.

Gebrauch der Hände

Diese Grundfähigkeit wird für äußerst wichtig erachtet und wurde werblich vom Volkswohl Bund hervorragend in Szene gesetzt. Der €xistenzschutz war der erste Tarif am Markt, der beim Verlust der Grundfähigkeit „Gebrauch der Hände“ auf nur eine Hand abstellt. Mittlerweile haben sich die meisten Wettbewerber dem Marktdruck gebeugt. Nur noch CARDEA.life und WWK prüfen, ob beide Hände nicht mehr funktionstüchtig sind.

Um diese Grundfähigkeit zu testen, müsste auf Kraft und Motorik gleichermaßen geprüft werden, da meine Hände entweder durch den Verlust der Kraft oder der Koordination verloren werden kann. Was die Koordination anbelangt, so wäre eine objektive Testung, einen Kreis von 10cm Durchmesser mit einem Kugelschreiber innerhalb von 2 Minuten vollständig auszumalen, ohne dabei um x% von einer gesunden Vergleichsgruppe abzuweichen.

Auch vorstellbar wäre es, in 2 Minuten einen Haustürschlüssel-Rohling von einer Tischplatte mit einer Hand aufzuheben, den Schlüssel einhändig in ein Schloss einzuführen und die Tür mithilfe des Schlüssels einhändig zu öffnen.

In beiden Übungen würden Greiffähigkeit und die Beweglichkeit des Handgelenks geprüft.

Um die Kraft zu prüfen, wäre es beispielsweise sinnvoll, ein Gewicht von x kg an einem Seil mit der Dicke von x mm für x Minuten zu halten, ohne dass das Seil um mehr als x cm verrutscht.

Beste Definition am Markt schwierig zu bestimmen

Welches die beste Lösung am Markt ist, ist nicht leicht zu sagen. Sehr kundenfreundlich scheint die Definition der Nürnberger:

„Ein Verlust des „Gebrauch der Hände“ liegt vor, wenn die versicherte Person mit der linken oder mit der rechten Hand nicht fähig ist, eine geöffnete Flasche mit Schraubverschluss zu schließen und wieder zu öffnen oder eine 5mm-Schraube mit dem Schraubendreher in ein gedübeltes Loch zu schrauben und zu lösen.“

Der Versicherte hat zumindest zwei Möglichkeiten, die auch beide einigermaßen definiert sind. Am objektivsten definiert ist ohne Zweifel die Swiss Life:

„Ein Verlust der Grundfähigkeit des Gebrauchs der Hände liegt vor, wenn die Versicherte Person mit der rechten oder mit der linken Hand nicht mehr in der Lage ist, eine handelsübliche Glühbirne oder LED Birne in den dazugehörigen Schraubsockel (E27-Sockel) einer Tischlampe zu stecken und so weit hineinzudrehen, dass die Birne leuchtet und anschließend wieder vollständig herauszudrehen.
Die Beschwerden, die zu den motorischen Einschränkungen führen, müssen durch entsprechende krankhafte Befunde (z. B. Zustand nach Schlaganfall, Morbus Parkinson) erklärbar sein.“

Viel hilft viel

Sehr gut ist auch die Definition der Canada Life, die ein weites Spektrum abdeckt:

„Ein Verlust liegt vor, wenn die versicherte Person mit der linken oder der rechten Hand nicht mehr in der Lage ist, eine der nachfolgend aufgeführten Tätigkeiten auszuüben:

  • eine Tastatur zu bedienen,
  • einen Schreibstift zu benutzen,
  • eine Flasche mit Schraubverschluss zu öffnen,
  • einen Schraubendreher zu benutzen,
  • eine Rohrzange zu benutzen,
  • eine Schere zu benutzen.“

Im einzelnen sind die Auslöser nicht unbedingt griffig definiert, da eine Schere vielseitig zu benutzen ist. Ein Friseur wird das anders verstehen als ein Schneider. Aber die Auswahl ist durchaus nachahmenswert.

Auslegungsbedürftig ist hingegen die Definition der WWK, die verlangt, einen Schreibstift zu benutzen und eine Tastatur zu bedienen. Das „und“ lässt sich dahingehend verstehen, dass beides nicht mehr möglich sein darf. Unabhängig davon, was mit „benutzen“ und „bedienen“ genau gemeint ist, darf hier wohl keiner auf Leistung hoffen, der den Leistungsantrag selbst zu Papier bringen kann. Hier sollte man besser anrufen 😉

Die Aachen Münchener schreibt, dass der Verlust vorliegt, wenn ich nicht mit der rechten oder der linken Hand eine Faust schließen kann und dabei ein Gewicht von 250 g halten kann. In welcher Form das Gewicht zu halten ist, ist nicht definiert. Außerdem geht es auch über den berühmten Wasserhahn. Die Formulierung mit dem „oder“ ist missverständlich, da der Leistungsauslöser aber „Eine Hand gebrauchen“ heißt, muss er so verstanden werden, dass der Verlust bei einer von beiden Händen ausreichend ist.

Greifen und Halten

Die Allianz KörperSchutzPolice hat als einziger Anbieter am Markt das Greifen und halten versichert. Das sieht so aus:

Die →versicherte Person ist mit der rechten oder mit der linken Hand nicht mehr in der Lage, einen Gegenstand (z.B. ein Glas, einen
Kochlöffel oder einen Pinsel) zu greifen und 5 Minuten lang ununterbrochen zu halten.
Beschwerden, die zu diesen motorischen Einschränkungen führen, müssen durch entsprechende krankhafte Befunde erklärbar sein.

Da fällt mir gleich ein bisschen was ein. Da der Gegenstand nicht näher definiert ist, darf ich den auswählen. Und an sich auch, wie ich ihn greife oder halte. Also im Pinzettengriff oder fest umschlossen, auf dem Tisch stehend oder über Kopf.

Je nach Krankheit kann dieser Leistungsauslöser sehr hilfreich sein. Sofern ich den § 305c (2) BGB kenne… 😉

Gebrauch der Arme

Während bei dem Gebrauch der Hände noch zwischen feinmotorischen Tätigkeiten und reiner Kraft unterschieden werden muss, ist der Gebrauch der Arme schon gut durch Kraft und Bewegungsradius zu bestimmen.

Die Definitionen sind hier recht ähnlich. Bei den meisten Versicherern muss der Versicherte außerstande sein, den linken oder den rechten Arm auf Schulterhöhe zu heben und darf zusätzlich nicht mehr in der Lage sein, mit dem betroffenen Arm einen Gegenstand von 5kg Gewicht 5 Meter weit zu tragen.

Der Leistungsauslöser der Swiss Life verlangt, dass der Gegenstand einen Griff hat, bei der Nürnberger ist das nicht definiert.

Bei der Zurich wiegt der Gegenstand nur 2 Kilo. Außerdem wird nicht explizit erwähnt, dass ein Arm ausreichend wäre. Allerdings ist die Formulierung dahingehend zu verstehen:

„Ein Verlust der Grundfähigkeit des Gebrauchs beider Arme liegt vor, wenn die versicherte  Person nicht mehr in der Lage ist, die Arme bis auf Schulterhöhe zu heben“

Zeitliche Definition fehlt

Kann ich nur einen Arm heben, sind es nicht die Arme. Negativ zu werten ist allerdings, dass hier nicht definiert ist, wie lange die Arme in dieser Position zu halten sind.

Der Volkswohl Bund hat hier eine andere Definition, die aber als sehr kundenfreundlich zu werten ist:

„Ein Verlust liegt vor wenn die versicherte Person nicht mehr in der Lage ist, den linken oder den rechten Arm

– seitwärts zu bewegen und abgespreizt auf Schulterhöhe 10 Sekunden zu halten sowie

– nach vorne zu bewegen, abgespreizt auf Schulterhöhe 10 Sekunden zu halten und in beide Richtungen zu drehen.“

Hier wird also nicht die Kraft gemessen, sondern alleine der Bewegungsradius. Die Dortmunder hat sicher nicht zufällig genau die gleiche Definition.

Arbeiten auf Schulterhöhe. Was ist das?

Bei der Grundfähigkeitsversicherung der Allianz kommt es darauf an, ob man noch mit dem linken oder dem rechten Arm in Schulter- bzw. Brusthöhe arbeiten kann. Diese Formulierung kann sehr kundenfreundlich sein. Allerdings bedarf es einer genaueren Auslegung, um das zu bewerten.

Grundsätzlich hat die Grundfähigkeitsversicherung keinerlei Bezug zu meiner Arbeit. Wenn die KörperschutzPolice der Allianz hier aber auf die Fähigkeit, in Brusthöhe zu arbeiten, abstellt, muss zunächst vermutet werden, dass damit meine Arbeit gemeint ist.

Für einen Büroangestellten wird es hier schwierig werden, da dieser für gewöhnlich nie in Brusthöhe arbeitet. Im Zweifel wird das dann über §305 c(2) BGB zugunsten des Kunden geregelt werden.

Unterm Strich sollte die Allianz, wie auch die CARDEA.life hier nachbessern und genauer definieren, was unter „arbeiten“ zu verstehen ist. Der Automechaniker könnte hier schneller Leistung verlangen als der Büroangestellte. Was selbsterständlich Quatsch ist.

Die Canada Life und die WWK definiert hier über die Fähigkeit, eine Jacke anziehen zu können. Hier ist nur auf die Beweglichkeit abgestellt.

Um Leistung auszulösen, bedürfte es bei der WWK den Verlust zwei weiterer Grundfähigkeiten.

Die Aachen Münchener verlangt einen Nackengriff und einen Schürzengriff. Ich muss also mit meinen Händen gleichzeitig meinen Nacken berühren können und außerdem auch beide Hände am Rücken zusammenführen können. Auf welcher Höhe und wie weit die Zusammenführung sein muss, ist nicht definiert.

Knien und Bücken

Diese Grundfähigkeit wird wahrscheinlich einer der häufigsten Leistungsauslöser werden, wenn die Bestände mal alt genug sind, da davon auszugehen ist, dass körperlich Tätige am ehesten Einschränkungen des ganzen Bewegungsapparates erfahren werden.

Die sauberste Definition, aber nicht die kundenfreundlichte, hat hier wieder die Grundfähigkeitsversicherung der Swiss Life:

„Ein Verlust der Grundfähigkeit des Kniens oder Bückens liegt vor, wenn die Versicherte (sic!) Person nicht mehr in der Lage ist, sich aus eigener Kraft

– auf den Boden hinzuknien, dabei maximal eine ununterbrochene Pause von höchstens einer Minute einzulegen und sich danach wieder aufzurichten oder

– so weit zu bücken (auch mit angewinkelten Knien), um mit zumindest

einem Finger den Boden zu berühren und sich danach wieder aufzurichten.

Die Beschwerden, die zu den motorischen Einschränkungen führen, müssen durch entsprechende krankhafte Befunde (z. B. schwere Arthrose) erklärbar sein.“

Bücken und Stift aufheben

Allerdings scheint die Definition der Grundfähigkeitsversicherung der Zurich leichter erreichbar, da der Versicherte sich bücken und einen Bleistift vom Boden aufheben muss. Während eine Berührung des Bodens mit den Fingerkuppen möglich ist, benötigt man mindestens die Fingerspitzen, um einen Bleistift aufzuheben. Es ist also eine Kombination zweier Grundfähigkeiten.

Die der Grundfähigkeitsversicherung der WWK ist sehr ähnlich, wenn sie schreibt, man müsse einen leichten Gegenstand vom Boden aufheben. Allerdings ist das wieder einigermaßen unpräzise und es müssen hier wieder zwei weitere Grundfähigkeiten verloren gehen, um Leistung zu erhalten.

Die restlichen Anbieter einer Grundfähigkeitsversicherung folgen der Definition der Swiss Life. Die Nürnberger führt diesen Leistungsauslöser nicht in den Bedingungen.

Heben und Tragen

Hier hat wieder die die Grundfähigkeitsversicherung der Swiss Life die präziseste Definition:

„Ein Verlust der Grundfähigkeit des Hebens und Tragens liegt vor, wenn die Versicherte (sic!) Person mit der rechten oder mit der linken Hand nicht mehr in der Lage ist, einen mit einem Griff versehenen Gegenstand, der ein Gewicht von 2 kg hat, vom Boden anzuheben und mit dieser Hand 1 Minute lang zu halten.

Die Beschwerden, die zu den motorischen Einschränkungen führen, müssen durch entsprechende krankhafte Befunde (z. B. Zustand nach Schlaganfall, schwere Arthrosen) erklärbar sein.“

Außer der Canada Life und der WWK, bei der wieder zwei zusätzliche Grundfähigkeiten für den Eintritt des Leistungsfalles verloren gehen müssen, hat diesen Leistungsauslöser sonst niemand.

Das liegt wahrscheinlich daran, dass dieser Leistungsauslöser sehr nahe an der Definition „Gebrauch der Arme“ dran ist, wo neben dem Heben der Arme auf Schulterhöhe bei manchen Versicherern auch das Tragen eines fünf Kilo schweren Gewichtes verlangt wird.

Dennoch kann man sich auch Erkrankungen und Verletzungen vorstellen, die das eine noch ermöglichen, dass andere aber nicht mehr.

Interessant ist hier vielleicht, dass die Canada Life und die WWK davon sprechen, dass man mit dem Arm nicht mehr fähig sei, während die Swiss Life von der Hand spricht.

Die Dortmunder hat das nicht versichert.

Schreiben

Diesen Leistungsauslöser haben nur die Swiss Life, die Dortmunder und die Nürnberger in den Bedingungen stehen. Die Swiss Life definiert:

„Ein Verlust der Grundfähigkeit des Schreibens liegt vor, wenn die Versicherte (sic!) Person nicht mehr in der Lage ist, mit der linken oder mit der rechten Hand mit einem Schreibstift mindestens 5 Wörter mit jeweils mindestens 10 Buchstaben in Druckbuchstaben zu schreiben oder abzuschreiben, so dass ein unbeteiligter Dritter diese Wörter lesen kann.

Die Beschwerden, die zu den motorischen Einschränkungen führen, müssen durch entsprechende krankhafte Befunde (z. B. Zustand nach Schlaganfall, Morbus Parkinson) erklärbar sein.“

An dieser Definition gefällt besonders, dass die Überprüfung der Schreibfertigkeit durch einen unbeteiligten Dritten erfolgt und dass die Länge der Wörter definiert ist.

An sich ist die Grundfähigkeit „Schreiben“ nur eine weitere Facette der Grundfähigkeit „Hände gebrauchen“, allerdings eben eher auf der feinmotorischen Ebene.

Gebrauch der Beine

Die kundenfreundlichste Definition hat hier die Grundfähigkeitsversicherung der Allianz:

„Die →versicherte Person ist nicht mehr in der Lage, eine  von 400 Metern selbstständig und ohne Unterbrechung zurückzulegen oder eine Treppe von 12 Stufen selbstständig und ohne Unterbrechung hinauf- und hinabzusteigen.
Beschwerden, die zu den motorischen Einschränkungen führen, müssen durch entsprechende krankhafte Befunde erklärbar sein.“

Die 400m und die 12 Stufen finden sich in allen anderen Definitionen ebenfalls wieder.Aber bei den anderen Versicherern ist die Pause mit einer Minute definiert, während es bei der Allianz „ohne Unterbrechung“ heißt. Das kann schon deutlich weniger sein.

200m bei WWK und Canada Life

Allein die Canada Life und die WWK verlangen nur 200m gehen zu können, was den Leistungszugang deutlich erschweren dürfte. Außerdem ist bei der WWK bei dieser Grundfähigkeit wieder der Verlust zwei weiterer Grundfähigkeiten notwendig.

Die Canada Life und die WWK verzichten beim Treppensteigen explizit auf die Benutzung eines Geländers, was im Kundensinne zu begrüßen ist.

Die Definition der CARDEA.life ist beinahe ebenso gut wie die der Allianz. Allerdings ist hier vorgegeben, dass der Verlust aufgrund einer Erkrankung oder Verletzung des Bewegungsapparates, des Rückenmarkes, einer Erkrankung der peripheren Gefäße, der Lunge oder des Herz-Kreislaufsystems notwendig. Dadurch sind andere Erkrankungen, wie z.B. Diabetes oder ein Schlaganfall nicht von der Definition erfasst.

Die Aachen Münchener hat das Treppensteigen nicht im Programm, aber definiertsehr schön, dass die 400m in 20 Minuten zurückgelegt werden müssen.

Diesen Leistungsauslöser haben alle Anbieter im Programm.

Stehen

Die Canada Life, WWK, der Volkswohl Bund, die Nürnberger, die Dortmunder und die Swiss Life leisten, wenn man außerstande ist, 10 Minuten zu stehen, ohne sich festzuhalten. Bei der WWK ist der Verlust zweier weiterer Grundfähigkeiten notwendig, um eine Leistung zu erhalten.

Die Swiss Life hat hier gefühlt die Nase vorn, da definiert ist, dass der Versicherte barfuß auf festem und ebenen Boden stehen muss.

Sitzen

Diese Grundfähigkeit haben alle Anbieter außer der Allianz und der Zurich im Programm. Die häufigste Formulierung lautet:“ Die versicherte Person ist nicht mehr in der Lage, 20 Minuten ununterbrochen zu sitzen, auch nicht mit Änderung der Sitzposition oder mit Abstützen auf Armlehnen.“

Die Swiss Life konkretisiert, dass es sich um einen orthopädischen Stuhl handeln muss. Die WWK verlangt zusätzlich, dass der Versicherte sich aus dem Stuhl erheben kann. Da hier aber zwei weitere Grundfähigkeiten verloren gegangen sein müssen, um Leistung zu erhalten, ist diese grundsätzliche Verbesserung insgesamt nicht über dem Marktstandard einzuordnen.

Die Aachen Münchener hat diesen Auslöser nicht.

Autofahren

Hier muss die Fahrerlaubnis zum Führen eines PKWs entzogen werden. Das ist vor allem für Berufskraftfahrer interessant. Allerdings ist davon auszugehen, dass die Lizenz zum Führen eines LKWs oder Busses deutlich früher entzogen wird als die für den PKW.

Ein Entzug wegen Alkohol ist bei allen ausgeschlossen.

Die Definition der Zurich hat gefühlt die Nase vorne, da kein verkehrsmedizinisches Gutachten notwendig ist, um zu belegen, dass der Führerschein aus gesundheitlichen Gründen entzogen wurde. Ebenfalls sehr gut ist die Definition der Canada Life:

„Die versicherte Person ist aus gesundheitlichen Gründen nicht geeignet, einen Personenkraftwagen oder ein Kraftrad zu führen, sodass eine Fahrerlaubnis nach deutschen verwaltungsrechtlichen Vorschriften nicht erteilt werden würde oder eine bereits bestehende Fahrerlaubnis entzogen wurde. Der Nachweis ist durch verkehrsmedizinische Gutachten oder durch entsprechende Facharztberichte zu erbringen. Fehlende Eignung aufgrund von Alkohol- oder Drogenmissbrauch sowie psychiatrischer Erkrankungen löst keine Leistung aus.“

Der Versicherte muss den Führerschein noch nicht besitzen, was besonders bei jüngeren Versicherten interessant sein kann. Außerdem kann der Nachweis über ein Gutachten oder einen Facharztbericht erfolgen.

Auch bei der Dortmunder reicht der Facharzt aus. Der Auslöser ist über einen extra Baustein hinzuzubuchen.

Die Aachen Münchener hat diesen Auslöser nicht.

Intellekt

Intellektuelle Einschränkungen führen alleine bei der WWK nicht zur Leistung. Bei allen anderen ist die geistige Leistungsfähigkeit meist als Gedächtnis, Konzentration, Aufmerksamkeit, Auffassung und Handlungsplanung beschrieben.

Der Verlust ist immer nach verschiedenen Tests zu belegen, wobei meist die Leistungsvoraussetzung ist, zu den schwächsten 10% zu gehören im Vergleich zur Durchschnittsbevölkerung. Zu den dümmsten 10% zu gehören lässt ein kurzer Blick in das nachmittägliche Fernsehprogramm als äußerst schwer erreichbar erkennen.

Die Nürnberger ist hier in der Definition wohl am saubersten, da sie einen Nachweis einer mittelgradigen Intelligenzminderung verlangt, wie er im ICD-10-Katalog unter F.71 beschrieben ist.

Die Aachen Münchener hat diesen Auslöser nicht.

Eigenverantwortliches Handeln

Die Nürnberger definiert den Verlust der Fähigkeit, eigenverantwortlich zu handeln folgendermaßen:

„Die geistige Leistungsfähigkeit (z.B. Gedächtnis, Konzentration, Aufmerksamkeit, Auffassungsgabe) der versicherten Person ist so schwer gestört, dass aus diesem Grund für sie von Gerichts wegen ein Betreuer bestellt ist. Vom Versicherungsschutz nicht erfasst ist die Bestellung eines Betreuers aufgrund Alkohol-, Drogen- oder Medikamentenkonsums.“

Diese Definition ist in Ordnung, da ein psychiatrisches Gutachten als Nachweis nicht verlangt wird. Allerdings muss ein Betreuer bestellt werden.

Die Aachen Münchener hat diesen Auslöser nicht.

Verkürzter Prognosezeitraum bei der Swiss Life

Die Swiss Life verkürzt bei dieser Grundfähigkeit den Prognosezeitraum auf sechs Monate, was einigermaßen interessant ist. Entweder geht die Swiss Life davon aus, dass eine Betreuung grundsätzlich eher ein dauerhafter Zustand sein muss, weshalb es durch die Verkürzung nicht zu mehr Leistungsfällen kommt. Oder der Versicherer denkt kundenorientiert und glaubt, dass eine Betreuung eher etwas vorübergehendes ist, weshalb viele Leistungsfälle zwischen sechs und 12 Monaten liegen.

Die Canada Life konkretisiert, dass ein deutsches Gericht einen Betreuer bestellen muss. Das ist keine schwerwiegende Verschlechterung, aber interessant, weil man dann ja davon ausgehen muss, dass bei den anderen Versicherern jedes Gericht der Welt die Betreuung verfügen kann. Denn man darf mit einigem Recht vermuten, dass die Bedingungen der Canada Life, die ja ein Vorreiter in Sachen Grundfähigkeits-Versicherung ist, den neueren Anbietern bekannt sind.

Zurich, Allianz und WWK führen diesen Leistungsauslöser nicht in den Bedingungen.

Schizophrenie und schwere Depression

Diesen Punkt hat die Grundfähigkeitsversicherung der Swiss Life in den Bedingungen stehen:

„Ein Verlust einer Grundfähigkeit liegt ebenfalls vor, solange die Versicherte (sic!) Person während der Versicherungsdauer an einer Schizophrenie oder einer schweren Depression (auch als Folgeerkrankung eines Burn Out) leidet.

Voraussetzung für die Leistung ist, dass die Erkrankung frühestens nach Ablauf von 3 Jahren nach Versicherungsbeginn eingetreten ist und dass alle Kriterien entsprechend  medizinischen Standards für die jeweilige Erkrankung erfüllt sind und die Erkrankung eine stationäre Behandlung in einer psychiatrischen oder psychosomatischen Fachklinik von ununterbrochen mindestens 6 Wochen erforderlich gemacht hat.

Die Diagnose ist durch einen Facharzt für Psychiatrie auf Basis einer ausführlichen Befunderhebung zu stellen.

Ausdrücklich vom Versicherungsschutz ausgeschlossen sind alle Fälle, in denen die Erkrankung in Kombination mit Alkohol-, Drogen-, Betäubungsmittelkonsums oder Medikamentenmissbrauchs entstanden ist.“

Für diesen Leistungsauslöser gibt es also eine Wartezeit von drei Jahren.

Die Dortmunder auch mit optionalem Baustein

Auch die Grundfähigkeitsversicherung der Dortmunder hat einen Baustein „Psyche“:

„Eine schwere Depression liegt vor, wenn eine der folgenden Voraussetzungen erfüllt
ist:
– Die versicherte Person leidet unter einer schweren depressiven Episode, die bereits
12 Monate andauert.
– Bei der versicherten Person sind mehrere schwere depressive Episoden mit einer
Gesamtdauer von mindestens 12 Monaten aufgetreten, wobei zwischen zwei
schweren depressiven Episoden ein Zeitraum von höchstens 6 Monaten lag.
Der Beginn der schweren Depression muss in der Laufzeit von Plan D liegen.
Die schwere Depression muss ein Facharzt für Psychiatrie mit den nach aktuellem
medizinischem Wissensstand üblichen Befunderhebungen feststellen.
Wir leisten, solange eine schwere Depression wie oben beschrieben vorliegt. Insbesondere
bedeutet dies, dass wir rückwirkend ab Beginn der schweren Depression
leisten und die Leistungen erst einstellen, wenn über einen Zeitraum von 6 Monaten
keine schwere depressive Episode mehr vorlag.
Ausdrücklich vom Schutz ausgeschlossen sind alle Fälle, in denen die Erkrankung
ganz oder teilweise aufgrund von Alkohol-, Drogen-, Betäubungsmittelkonsum oder
Medikamentenmissbrauch entstanden ist.“

Eine ununterbrochene schwere depressive Episode von 12 Monaten ist recht heftig, aber der Baustein ist auch optional.

Dennoch ist es durchaus nachahmenswert, die psychische Leistungsfähigkeit wenigstens rudimentär in die Grundfähigkeits-Versicherung aufzunehmen. Denn so ist diese Absicherung, die sonst nur über BUV oder EUV möglich ist, auch den risikoreicheren Berufsgruppen zugänglich.

Sich orientieren

Dieser Leistungspunkt wird von der CARDEA.life, der Canada Life und der WWK extra aufgeführt. Die Grundfähigkeitsversicherung der Canada Life hat die präziseste Definition:

„Die geistige Leistungsfähigkeit in Bezug auf die Orientierungsfähigkeit (zeitliche und räumliche Orientierung, Orientierung zur eigenen Person) ist so schwer gestört (z.B. durch eine Demenz, Schizophrenie, Psychose), dass die versicherte Person nicht mehr in der Lage ist, alltagsrelevante Tätigkeiten auszuführen.

Die Erkrankung/Verletzung des zentralen Nervensystems ist durch einen Neurologen, Psychiater oder Nervenarzt festzustellen. Zudem müssen die Ergebnisse eines Tests, der die Orientierungsfähigkeit prüft (z.B. DemTect, MMSE, MMST o.Ä.) zu den schlechtesten 10% der Durchschnittsbevölkerung gehören.“

Interessant ist, dass hier die Psyche explizit nicht ausgeschlossen ist. Dadurch sind Psychosen und Schizophrenie nicht mitversichert. Aber wenn diese zu einer entsprechenden Orientierungslosigkeit führen, lösen sie eine Leistung aus.

Die Aachen Münchener hat diesen Auslöser nicht.

Herzfunktion

Die Grundfähigkeitsversicherung der Dortmunder versichert zusätzlich die Herz- und Lungenfunktion. In beiden Fällen muss das Organ ziemlich hinüber sein. Aber immerhin…:
„Die Pumpleistung des Herzens der versicherten Person ist durch eine Verletzung oder eine Erkrankung wie zum Beispiel Herzinfarkt, Herzklappenerkrankungen oder Entzündungen des Herzmuskels erheblich gemindert. Eine erhebliche Minderung der Pumpleistung liegt vor, wenn
– die Ejektionsfraktion kleiner gleich 30 % oder
– das Fractional Shortening kleiner gleich 15 % ist.
Ejektionsfraktion und Fractional Shortening sind Messgrößen für die Pumpleistung des Herzens. Die Normalwerte sind ungefähr doppelt so hoch wie die vorgenannten Werte.
Die Pumpleistung des Herzens muss irreversibel gemindert und auch durch Medikamente nicht dauerhaft über das oben beschriebene Maß verbesserbar sein.
Wir zahlen die Rente auch weiter, wenn sich die Funktionswerte durch eine Transplantation verbessern.“

Lungenfunktion

Bei Lunge entsprechend:

„Die Leistungsfähigkeit der Lunge der versicherten Person ist durch eine Verletzung oder Erkrankung wie zum Beispiel schweres Asthma, Emphyseme oder chronische Entzündungen dauerhaft und unumkehrbar erheblich eingeschränkt. Das heißt,
– die versicherte Person hat eine Sauerstoff-Langzeit-Therapie mit einem Umfang von mindestens 8 Stunden pro Tag begonnen und diese Therapie dauert noch an und
– die verordnete Sauerstoff-Langzeit-Therapie erfolgt nach den gültigen medizinischen Leitlinien.
Wir zahlen die Rente auch weiter, wenn sich die Lungenfunktion durch eine Transplantation von Lungengewebe verbessert.“

Wie gesagt, das muss erstmal passieren. Aber besser als nix. Wie bei den anderen 🙂

BU-Option

Diesen vertrieblichen Knaller hat derzeit nur die Zurich und die Canada Life. Da sollten die anderen nachziehen.

Unterm Strich

Zusammengefasst lässt sich hier gut ablesen, dass sich Grundfähigkeitsversicherungen nur vergleichen lassen, wenn der Kunde angibt, welche Grundfähigkeiten er für die Erzielung seines Einkommens für am wichtigsten hält. Dann lassen sich diese untereinander vergleichen und werten. Ohne diese Angabe sind diese Tarife nicht sinnvoll miteinander vergleichbar. Denn der Vermittler kann nicht festlegen, welche Grundfähigkeit zuerst verloren geht. Wichtig ist, dass der Kunde versteht, dass die Grundfähigkeitsversicherung nur zufällig das Einkommen absichern kann. Deswegen ist es auch nur in Ausnahmefällen eine Alternative zur BUV. Meistens ist es aber ein Ausweichprodukt.

Wenn Sie mehr wissen möchten, kontaktieren Sie uns einfach!

Ein Marktvergleich zur Grundfähigkeitsversicherung
5 (100%) 2 votes

 

Written by Philip Wenzel

Philip Wenzel ist Fachwirt für Versicherungen und Finanzen (IHK) und betreut bei der freche versicherungsmakler GmbH & Co. KG die biometrischen Risiken. Mit über 200 Artikeln, mehreren Dossiers und seinem „Leitfaden für den Vertrieb von Berufsunfähigkeitsversicherungen“ hat er sich in der Branche den Ruf eines gewissenhaften Bedingungslesers, und auch –verstehers, erarbeitet. Als gelernter Historiker ist er immun gegen Langeweile, was wahrscheinlich der Grund ist dafür, dass er all die AVB und Urteile ohne Schaden lesen kann. In seinen Vorträgen referiert er stark aus der Praxis, bricht mit eingefahrenen Denkweisen und hilft, eine Brücke zum Kunden zu bauen. Er lebt mit seiner Frau und seinen beiden Töchtern in Kemnath in der Oberpfalz.

Website: http://freche-versichert.de

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

freche versicherungsmakler GmbH & Co. KG hat 4,81 von 5 Sternen | 320 Bewertungen auf ProvenExpert.com