Welche Versicherungen sind für Kinder sinnvoll?

Genau lässt sich das nur individuell feststellen. Der Artikel soll nur ein paar Gedanken dazu ins Spiel bringen...

Das Wundervolle an kleinen Kindern ist ihre grenzenlose Fantasie und ihre unstillbare Neugier. Für Kinder ist alles neu. Für Kinder ist alles möglich!

Kinder haben noch keine Vorstellung von Zukunft, verschwenden keinen Gedanken daran, wohin die Reise gehen soll, kennen keine Pläne oder Regeln, an die man sich halten muss, weil´s halt so ist. Deswegen ist es so unglaublich wichtig, dass wir als Eltern immer für alles offen und auf alles vorbereitet sind, egal, was mein Kind mal später machen will.

Damit mein Kind später auf eigenen Füßen stehen kann, sind vor allem zwei Dinge wichtig. Zum einen Geld, mit dem sich mein Kind all seine Wünsche und Träume finanzieren kann, und zum anderen Gesundheit, die es ihm ermöglicht zu arbeiten, was wiederum hilft, die Wünsche und Träume zu verwirklichen und auch –ebenfalls sehr wichtig- all die verwirklichten Wünsche und Träume zu genießen.

Eine Kinderversicherung sichert meine Kinder nur finanziell ab

Eine Kinderversicherung kann nicht die Gesundheit meines Kindes absichern. Aber sie kann es vor den finanziellen Folgen von schlimmen Krankheiten, Verletzungen und Unfällen bewahren.

Logischerweise möchte sich niemand mit der Vorstellung beschäftigen, dass seinem Kind etwas passieren könnte. Das fällt den meisten von uns auch in Bezug auf sich selbst schwer. Und doch ist es wichtig, hier verantwortungsvoll zu handeln und die Gesundheitskosten seiner Kinder abzusichern. Glücklicherweise sind schwere Erkrankungen oder Unfälle mit dauerhaften Folgen bei Kindern statistisch gesehen sehr selten. Die Wahrscheinlichkeit eines Ereignisses lässt sich dabei ganz gut an der Prämie für die entsprechende Versicherung ablesen. Je höher die Prämie, desto wahrscheinlicher ist das versicherte Risiko. Allerdings sind alle Statistiken und Wahrscheinlichkeiten Makulatur, wenn ich der eine unter Millionen bin.

Je früher desto günstiger ist die Kinderversicherung

Grundsätzlich sind alle biometrischen Risiken für Kleinkinder und Kinder günstiger abzusichern, was mit dem geringeren Risiko zu tun hat, weil ich ja mit großer Wahrscheinlichkeit längere Zeit schadenfrei bleibe und der Versicherer keine Leistungen auszahlen muss. Im Bereich der Krankenversicherung arbeiten außerdem die meisten Versicherer erst ab 21 mit Alterungsrückstellungen, also mit einem „Sparbeitrag“, der dazu verwendet wird, die Prämie auch mit steigendem Alter stabil zu halten, weshalb der Beitrag für eine Kinderversicherung im Krankenbereich zwischen 0 und 20 deutlich günstiger ist und erst dann in den Erwachsenentarif umgestellt wird.

Besonders wichtig ist immer die Absicherung des schlimmsten Falles und das ist medizinische Versorgung in einem Krankenhaus. Jeder, dessen Kind schon mal stationär aufgenommen wurde, weiß die Vorteile eines Einzelzimmers und auch von Rooming-in, also dem Übernachten eines Elternteils im Zimmer des Kindes, zu schätzen. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten hierfür meist nur, wenn das betroffene Kind unter 7, manchmal 9 Jahre alt ist. Für gewöhnlich sind die Krankenhäuser hier im Rahmen ihrer Möglichkeiten kulant und erlauben auch bei älteren Kindern Rooming-in. In diesem Fall wären die Kosten aber privat zu tragen. Einen Anspruch auf Rooming-in besteht grundsätzlich nicht.

Für meine Kinder nur die beste Kinderversicherung

Auch möchte ich selbstverständlich für mein Kind die beste Behandlung, egal, was es kostet. Da diese Kosten sehr hoch sein können, ist es sinnvoll, dieses Risiko an einen Versicherer abzugeben. Wie auch bei den stationären Tarifen für Erwachsene sollte man darauf achten, dass über die Gebührenordnung für Ärzte hinaus geleistet wird. Ebenfalls wichtige Kriterien sind gemischte Anstalten, Wunschverlegungen, ambulante OPs und Vor- und Nachbehandlungen. Rooming-in oder auch eine Zuzahlung zum Nachhilfeunterricht, wenn nach längerem Krankenhausaufenthalt der verpasste Schulstoff nachgeholt werden muss, sind zwar angenehm, aber sollten für die Auswahl des Tarifes nicht entscheidend sein. Die maximale finanzielle Belastung, die hieraus entstehen könnte, wäre überschaubar. Eine Nachbehandlung durch den Spezialisten, der die OP durchgeführt hat, die nicht über die Versicherung gedeckt wäre, könnte da schon teurer sein.

Wer auf alternative Heilmethoden vertraut, sollte auch über eine Absicherung der Kinder in diesem Bereich nachdenken. Wer schon mal helfen musste, sein einjähriges Kind zu fixieren, weil aus diagnostischen Gründen Blut abgenommen werden musste, sollte darüber nachdenken, ob er alternativer Medizin nicht mal eine Chance geben möchte. Die Diagnose-Verfahren und auch die Behandlungsmethoden sind in den meisten Fällen deutlich angenehmer für ihr Kind als die der Schulmedizin. Bei der Tarif-Auswahl sollte eine ausreichende Erstattungshöhe ein Kriterium sein. Außerdem ist zu prüfen, welche Heilmethoden und welche Behandler erstattungsfähig sind.

Zahnzusatz-Versicherung ist nicht existenziell

Eine Zahnzusatz-Versicherung ist grundsätzlich mal mehr mal weniger eher eine Summenumverteilung als eine Versicherung. Eine Idee wäre es dennoch, vor der ersten Untersuchung einen Vertrag abzuschließen und zu behalten. Zumindest bis der Zahnarzt einen kieferorthopädischen Frühfall ausschließen kann.

Eine Unfall-Versicherung ist für Kinder ebenso sinnvoll, wie sie es auch für Erwachsene ist. Das Risiko ist in etwa gleich und auch hier werden evtl. Umbauten oder Ähnliches notwendig, die durch die Einmalleistung abgedeckt wären.

Da auch der Verlust von Grundfähigkeiten für Kinder eine realistische Gefahr darstellt und die finanzielle Belastung, über das ganze Leben verteilt, enorm hoch wäre, ist es durchaus sinnvoll, dieses Risiko abzusichern.

Berufsunfähigkeitsversicherung bei Kindern?

Die Auswahl an Versicherern, die dieses Produkt anbieten, ist allgemein überschaubar. Und noch weniger bieten das Produkt als Kinderversicherung an. Die meisten Lösungen bei der Kinderversicherung sind sogenannte Multi-Risk-Policen. Hier werden mehrere Leistungsauslöser, wie z.B. Verlust von Grundfähigkeiten oder bei Organversagen oder Schweren Krankheiten, an eine Unfall-Versicherung angebaut. Diese Produkte versprechen meist lebenslange Rente, wenn bedingungsgemäß Leistung fällig wird. Die Prämien liegen für Kinder zwischen 10-20 Euro für 1.000 Euro Leistung. Die Unterschiede in den Bedingungen sind derart vielfältig, dass hier unbedingt Unterstützung durch einen Experten notwendig ist. Generell ist zu beachten, welche Leistungsauslöser es gibt und wie wahrscheinlich diese sind.

Neben der stationären Zusatzversicherung ist diese Absicherung wohl die wichtigste für Kinder und Kleinkinder.

Je früher, desto gesünder

Ein weiterer Vorteil einer frühzeitigen Absicherung biometrischer Risiken ist die Sicherung des Gesundheitszustandes. Wenn eine Absicherung der Arbeitskraft zu einem späteren Zeitpunkt nur mit Ausschluss möglich ist, weil schon Allergien bekannt sind, ADHS oder Skoliose festgestellt wurden, dann betrifft das selbstverständlich nicht die schon abgeschlossene Multi-Risk-Police.

Eine weitere Möglichkeit, den Gesundheitszustand seiner Kinder zu sichern, ist eine Option auf den Abschluss einer Berufsunfähigkeits-Versicherung ohne Gesundheitsprüfung. Diese ist für gewöhnlich nur als Baustein einer Renten-Versicherung zu erwerben.

Rentenversicherung für Kinder?

Und bei einer Rentenversicherung für Kinder muss ich unbedingt genau Bedingungen, Kosten und auch nach gegebenen Möglichkeiten die finanzielle Stabilität Versicherungs-Unternehmen prüfen, denn es geht um viel Geld und eine lange Laufzeit. Dabei sollte das Hauptaugenmerk auf den Bedingungen und den Kosten liegen, da Firmenkennzahlen selten aussagekräftig sind und auch gute Ergebnisse nicht mit Sicherheit über die gesamte Laufzeit des Vertrages Stabilität garantieren können.

Als erstes muss ich mich fragen, was ich für mein Kind möchte. Will ich tatsächlich eine Renten-Versicherung bis zum Endalter 67 oder geht es mir um die BU-Option? Für letzteres genügt ein kurzer Vertrag, der bis zum Zeitpunkt des Berufseinstiegs läuft. Je nach dem, was ich meinem Kind zutraue, kann dieser zwischen 16 und 25 liegen. Durch die kürzere Laufzeit spare ich Kosten und erhöhe dadurch die Rendite.

Rentenfaktor sichern!

Allerdings kann es auch reizvoll sein, seinem Kind schon heute die Rechnungsgrundlagen für seine spätere Rente zu sichern. Gehe ich davon aus, dass sich die Lebenserwartung weiter erhöht und der Höchstrechnungszins weiter sinkt, dann wird in Zukunft die Berechnung der Verrentung von Kapital ungünstiger ausfallen. Deshalb muss ich die Rechnungsgrundlagen zu Vertragsbeginn garantiert haben.

Hier muss ich gründlich die Bedingungen lesen. Die Gesellschaften, die die Verrentungskonditionen zu Vertragsbeginn für das gesamte Vertragsguthaben bei Rentenbeginn garantieren, lassen sich derzeit an einer bis höchstens zwei Händen abzählen lassen. (Ergänzung 2017: an zwei-drei Fingern). Der Zinseszins oder auch der cost-average-effect wirken auf derart lange Vertragslaufzeiten aber enorm.

Kosten beachten!

Auf der anderen Seite stehen die hohen Abschlusskosten, die sich nur wieder egalisieren, wenn der Vertrag tatsächlich bis zum Ende durchläuft. Da ich nicht wissen kann, wie mein Kind verfährt, wenn es mal den Vertrag übernommen hat, besteht selbstverständlich die Gefahr, dass mit 18 sofort das gesamte Kapital entnommen wird, um ein Auto zu kaufen. In diesem Fall wären die Kosten im Verhältnis extrem hoch.

Das lässt sich verhindern, wenn ich noch längere Zeit ganz oder teilweise Versicherungsnehmer bleibe, sodass der Vertrag nicht ohne meine Einwilligung gekündigt werden kann.

Kurze Zahldauer für weniger Kosten

Eine weitere Möglichkeit, um die Kosten auch im Falle einer frühzeitigen Kündigung möglichst niedrig zu halten und gleichzeitig meinem Kind die Option offen zu halten, mit dem Vertrag tatsächlich für den Ruhestand vorzusorgen, ließe sich erreichen, wenn man die Vertragslaufzeit bis 67 wählt und die Zahldauer bis beispielsweise 30. In diesem Fall erhielte mein Kind bei 100 Euro monatlichem Beitrag mit 67 eine garantierte Rente von 237,17 Euro. Bei einer angenommenen Wertentwicklung von 4,2% pro Jahr ergäbe das eine mögliche Rente von 1.116,39 Euro. Würde mein Kind unter gleichen Bedingungen den Vertrag von 37 bis 67 besparen, also bei gleicher Laufzeit und gleichen Beiträgen, kämen am Ende 144,69 Euro garantierte Rente und 273,87 Euro mögliche Rente heraus.

Eine Rentenversicherung schon für ein Kind abzuschließen, kann also durchaus sinnvoll sein. Allerdings sollte man darauf achten, dass der Vertrag möglichst flexibel und kostengünstig gestaltet ist.

Jetzt an Pflegebedürftigkeit denken?

Wer bereits bei seinen Kindern die finanziellen Folgen einer Pflegebedürftigkeit absichern möchte, kann das mit geringem finanziellem Aufwand tun. Dieses Risiko ist allerdings eher niedrig und sollte deshalb nachrangig angegangen werden. Sofern sich dieser Fall aber verwirklicht, ist mit einer großen finanziellen Belastung zu rechnen. Darüber hinaus ist es für die pflegenden Eltern auch nicht einfach, da es bei ca. 6000 pflegebedürftigen Kindern in Deutschland kaum bedarfsgerechte Einrichtungen gibt.

Was auch sinnvoll sein kann, ist der Abschluss einer Schweren Krankheiten-Versicherung. Dafür spräche, dass man im Falle einer schweren Erkrankung möglichst viel Zeit bei seinem Kind sein möchte. Mit dem Geld aus der Versicherung könnte ich zusätzlich einen möglichen Gehaltsausfall kompensieren. Außerdem werden evtl. anfallende Behandlungskosten nicht unbedingt geringer als bei einem Erwachsenen ausfallen. Zu prüfen wäre, welche der versicherten Krankheiten mit hoher Wahrscheinlichkeit schon im Kindesalter auftreten können.

Fazit

Grundsätzlich will ich als Eltern meine Kinder von Anfang an optimal versichern und das lieber zu viel als zu wenig. Da eine umfassende Absicherung aller Risiken aber sehr teuer und vielleicht auch in vielen Fällen ein wenig übertrieben wäre, muss ich für mich abwägen, was sinnvoll ist.

Dabei sind zwei Entscheidungskriterien zu beachten:

  1. Wie wahrscheinlich ist eine zeitnahe Verwirklichung des Risikos?
  2. Wie wahrscheinlich würde eine Verwirklichung des Risikos finanziell die Existenz meiner Familie bedrohen?

Unter diesen beiden Gesichtspunkten lässt sich sehr gut eine individuelle Entscheidung treffen. Übrigens unabhängig vom Alter und auch nicht nur in Bezug auf die Kinderversicherung.

Generell bin ich mit einer stationären Zusatzversicherung und einer Multi-Risk-Police auf Unfall-Basis gut aufgestellt. Auf dieser Grundlage ließen sich dann je nach individuellem Bedarf andere Versicherungen anbauen. Je nachdem, wo die Reise hingeht.

Written by Philip Wenzel

Philip Wenzel ist Fachwirt für Versicherungen und Finanzen (IHK) und betreut bei der freche versicherungsmakler GmbH & Co. KG die biometrischen Risiken. Mit über 200 Artikeln, mehreren Dossiers und seinem „Leitfaden für den Vertrieb von Berufsunfähigkeitsversicherungen“ hat er sich in der Branche den Ruf eines gewissenhaften Bedingungslesers, und auch –verstehers, erarbeitet. Als gelernter Historiker ist er immun gegen Langeweile, was wahrscheinlich der Grund ist dafür, dass er all die AVB und Urteile ohne Schaden lesen kann. In seinen Vorträgen referiert er stark aus der Praxis, bricht mit eingefahrenen Denkweisen und hilft, eine Brücke zum Kunden zu bauen. Er lebt mit seiner Frau und seinen beiden Töchtern in Kemnath in der Oberpfalz.

Website: https://www.freche-versichert.de

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