Über die Wichtigkeit des Rentenfaktors

Wenn nicht zu Beginn festgelegt ist, wie das Kapital umgerechnet wird, hat der Versicherer bis zum Schluss alle Trümpfe auf seiner Hand...

Selten geht die Schere zwischen dem Bedarf des Kunden und seinem Bedürfnis mehr auseinander als bei der Altersversorgung. Was die meisten Kunden brauchen, ist eine lebenslange Versorgung. Aber was sie wollen, ist ein Berg von Geld. Die Zeiten, in denen man mit einer Lebens- oder Rentenversicherung überdurchschnittliche Rendite machen konnte, sind jedoch vorerst vorbei. Dadurch steigt die Wichtigkeit des Rentenfaktors!

Die Rentenversicherung ist eine Risikoabsicherung

Dennoch locken die Versicherer mit hohen, möglichen Ablaufleistungen und einer Geld-zurück-Garantie.

Dass der Kunde mindestens seine einbezahlten Beiträge, auch im Todesfall, zurückhaben möchte, ist persönlich nachvollziehbar. Allerdings wird dadurch der Kollektivgedanke der Versicherung untergraben.

Grundsätzlich, und etwas romantisiert ausgedrückt, sichert sich das Kollektiv durch die Einzahlungen gegenseitig ab. Wenn ich Bedarf habe, erhalte ich Leistung, wenn nicht, dann nicht. Bei der Rentenversicherung hieße das, ich erhalte Rente, solange ich lebe.

Sterbe ich, bevor mein eingezahltes Kapital verbraucht ist, wird dadurch die Rente aller anderen höher bzw. die Renten finanziert, die länger laufen, als das eingezahlte Kapital reicht. Das ist sehr gerecht.

Will jeder seine eingezahlten Beiträge zurück, wird die Rente für alle niedriger und ich muss mehr einzahlen, um meinen Bedarf zu decken.

Das ist ein Problem der Rentenversicherung. Das zweite ist ebenfalls nachvollziehbar: Der Wunsch nach mehr Geld.

Hohe Rendite geht nur mit hohem Risiko

Um hohe Rendite möglich zu machen, muss das Versicherungsunternehmen die Garantien flexibler gestalten, wenn man es wohlwollend formulieren möchte. Wenn man das Kind beim Namen nennen möchte, dann schreiben sich die Versicherer Anpassungsmöglichkeiten in die Bedingungen, mit deren Hilfe jederzeit das Risiko fast vollständig auf den Kunden übertragen werden kann.  Denn hohe Rendite gibt es nur bei höherem Risiko.

Eine Rentenversicherung hat grundsätzlich die Aufgabe, den Versicherungsnehmer mit einer lebenslangen Rente auszustatten. Dabei muss der Versicherer, vereinfacht ausgedrückt, zwei Risiken kalkulieren: Das Anlage-Risiko und das biometrische Risiko der Langlebigkeit. Letzteres spiegelt die Wichtigkeit des Rentenfaktors wider!

Bei einer Fonds-Anlage ohne Garantien verlagert der Versicherer das Anlagerisiko auf den Kunden. Das erfolgt in den meisten Fällen auch einigermaßen transparent, da jeder Kunde sich in etwa vorstellen kann, was die Aussage „Ohne Garantie“ für den Vertrag bedeutet.

Die Wichtigkeit des Rentenfaktors: Absicherung der Langlebigkeit

Anders verhält es sich, wenn der Versicherer das Langlebigkeits-Risiko auf den Kunden überträgt. Dies geschieht meist im Verborgenen der Bedingungen.

Um diesem Risiko gerecht zu werden, berechnet der Versicherer anhand der Sterbetafeln eine wahrscheinliche Lebenserwartung und schlägt noch eine zu erwartende Steigerung darauf. Jetzt „weiß“ er, wie alt die Kunden durchschnittlich werden und kann mithilfe eines Rechnungszinses festlegen, wie viel Rente pro 10.000 Euro Kapital lebenslang gezahlt werden können, ohne dass der Versicherer dabei Geld verliert.  Diesen Umrechnungs-Faktor nennt man Rentenfaktor.

Kann der Versicherer diesen Rentenfaktor nach Vertragsschluss ändern und dabei neue Kenntnisse zur durchschnittlichen Lebenserwartung einfließen lassen, überträgt er das Langlebigkeits-Risiko auf den Kunden. Daran zeigt sich die Wichtigkeit des Rentenfaktors.

Langlebigkeit beeinflusst die Rendite

Der Einfluss der Langlebigkeit auf die Rendite des Vertrages ist enorm. Der Aktuar DAV Dipl.-Math. Peter Schramm hat folgende Zahlen für einen 35-Jährigen, der mit 65 in Rente geht, berechnet. Übersteigt die Lebenserwartung die berechnete Steigerung um 5 Jahre, sind 15% mehr an Kapital notwendig, bei 10 Jahren 30% und bei 15 Jahren etwa 44%.

Da Aktuare grundsätzlich vorsichtig kalkulieren, sind starke Abweichungen zwar nicht unbedingt  zu erwarten. Allerdings sorgen medizinische Innovationen dennoch immer wieder für einen unerwarteten Anstieg der Lebenserwartung.

Der Einfluss des Rechnungszinses ist mindestens genauso hoch. Sinkt dieser um ein halbes Prozent, sind 8-10% mehr an Kapital notwendig, um die gleiche Rentenhöhe zu erreichen. Und bei einem aktuellen Höchstrechnungszins von 1,75% ist zwar viel Luft nach oben, aber eben auch immer noch auch Spiel nach unten.

Der Rentenfaktor bestimmt, was ich an Rente erhalte

Garantiert der Versicherer also einen Rentenfaktor auf das gesamte Vertragsguthaben bei Rentenbeginn, inkl. Zuzahlungen und Dynamiken, dann trägt er ein erhebliches Risiko. Um das im Durchschnitt auszugleichen, ist die Rendite einer Rentenversicherung grundsätzlich niedriger als bei einer Fondsanlage. Die Rendite wird durch steuerliche Vorteile des Versicherungsmantels etwas erhöht, aber maßgeblich kann der Kunde eine hohe Rendite erwarten, der länger lebt als der berechnete Durchschnitt.

Die Rentenversicherung ist keine rentable Geldanlage, sondern sichert den Grundbedarf, was ursprünglich mal Aufgabe der staatlichen Versorgung war.

Sie ist für den Kunden, der es sich kaum leisten kann, 100 Euro im Monat auf die Seite zu legen.

Mischung und Streuung kann sich nicht jeder leisten

Wer argumentiert, dass eine gute Altersvorsorge auf einer guten Streuung aufbaut, also dass ein Teil in Immobilien, ein Teil in Aktien, ein Teil in Sparpläne angelegt sein sollte und immer ein Jahresgehalt auf dem Konto verfügbar, der vergisst, dass der Kunde, der sich das leisten kann, wahrscheinlich auch im Alter keine Existenzangst zu haben braucht. Er muss lediglich, aber schlimm genug, mit einem Rückgang des Lebensstandards zu rechnen hat.

Habe ich aber schon vor Rentenbeginn Probleme, meine Rechnungen zu bezahlen, dann habe ich diese erst recht, wenn der Staat mein Einkommen durch die Rente ersetzt. Denn die allerwenigsten Dinge des alltäglichen Bedarfs gibt es für Rentner vergünstigt. Die Ausgaben bleiben also ähnlich hoch. Diese Lücke kann ein Leben lang nur die private Rentenversicherung schließen. Die Wichtigkeit des Rentenfaktors ist unbestritten.

Fazit zur Wichtigkeit des Rentenfaktors

Bei der Finanzierung meiner Wünsche und Träume für den Ruhestand, kann ich auf Alternativen zugreifen. Wenn dieses Kapital dann mit 85 Jahren aufgebraucht ist, ich aber durch meine Rentenversicherung noch meine Rechnungen bezahlen kann, dann ist das eine Einschränkung, mit der ich leben muss, aber auch kann.

Will ich die Rendite meiner Rentenversicherung erhöhen, sollte ich mich bemühen, möglichst lange zu leben. Das ist der einzige Weg, in diesem Produkt den Bedarf und das Bedürfnis zu vereinen.

Written by Philip Wenzel

Philip Wenzel ist Fachwirt für Versicherungen und Finanzen (IHK) und betreut bei der freche versicherungsmakler GmbH & Co. KG die biometrischen Risiken. Mit über 200 Artikeln, mehreren Dossiers und seinem „Leitfaden für den Vertrieb von Berufsunfähigkeitsversicherungen“ hat er sich in der Branche den Ruf eines gewissenhaften Bedingungslesers, und auch –verstehers, erarbeitet. Als gelernter Historiker ist er immun gegen Langeweile, was wahrscheinlich der Grund ist dafür, dass er all die AVB und Urteile ohne Schaden lesen kann. In seinen Vorträgen referiert er stark aus der Praxis, bricht mit eingefahrenen Denkweisen und hilft, eine Brücke zum Kunden zu bauen. Er lebt mit seiner Frau und seinen beiden Töchtern in Kemnath in der Oberpfalz.

Website: https://www.freche-versichert.de

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